Pflege nach der Flutkatastrophe - Fragen und Antworten für Betroffene

 

Die Hochwasserkatastrophe hat die Situation von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen in den betroffenen Gebieten von heute auf morgen massiv verändert. Pflegeheime wurden evakuiert, ambulante Pflegedienste sind selbst betroffen und zahlreiche Menschen können derzeit nicht in ihr Zuhause zurück. In dieser Zeit stellen sich viele Fragen. Lesen Sie hier nach wie Sie ihre Versorgung oder die ihrer Angehörigen sicherstellen können und wo Sie Unterstützung finden.

Ich bin Pflegebedürftig und kann nicht in meine Wohnung/Haus zurück, wo kann ich unter kommen?
  • Erste Ansprechpartnerin in dieser Situation ist die Pflegeberatung in Ihrer Kommune bzw. Ihrem Kreis oder bei Ihrer Pflegekasse. Die Pflegekassen haben zum Teil zusätzliche Hotlines eingerichtet. Hier erhalten Sie Hilfe und Unterstützung. Die Pflegeberatungsstellen oder Pflegestützpunkte kennen die Lage vor Ort und die vorhandenen Hilfsangebote. Pflegeberatungsstellen für NRW finden Sie über unsere Hotline 0800 40 400 44 oder über unsere Pflegeberatungsdatenbank.
  • Müssen Sie vorübergehend in ein Pflegeheim ziehen, da die Pflege zu Hause nicht möglich ist?  Ab dem Pflegegrad 2 können Sie bis zu 8 Wochen im Kalenderjahr Leistungen der Kurzzeitpflege in einer stationären Einrichtung erhalten. Die Leistungen umfassen dabei die pflegebedingten Aufwendungen, die Betreuung und die medizinische Behandlungspflege. Nähere Informationen zum Leistungsumfang und zur Leistungshöhe erhalten Sie von Ihrer zuständigen Pflegekasse. Passende Einrichtungen mit freien Plätzen für Kurzzeitpflege oder Langzeitpflege finden Sie über den Heimfinder NRW.                                                                                                                                                                                                   Tipp: Erweitern Sie unbedingt den Such-Radius, da auch Pflegeheime in den betroffenen Gebieten teils nicht oder nur eingeschränkt nutzbar sind oder keine neuen Bewohnerinnen oder Bewohner aufnehmen können. Durch die Erweiterung Ihres Such-Radius steigt die Chance auf einen freien Heimplatz.
  • Sie sind bei der Familie, bei Freunden oder Bekannten untergekommen? Melden Sie dies unbedingt Ihrer Pflegekasse und stellen Sie ggf. vorübergehend Ihre Leistungen auf Pflegegeld um, wenn eine Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst nicht möglich ist.
  • In den Kreisen oder Kommunen werden die Hilfsangebote koordiniert. Viele betroffene Kommunen bieten auf ihren Internetseiten oder den sozialen Medien Kontaktnummern zur Vermittlung von Hilfsangeboten an und lokale Informationen. Teils können hier auch Vermieter oder Besitzer von Ferienwohnungen freie Unterkünfte melden.
    Wichtig zu wissen: Eine Übersicht über Kontaktmöglichkeiten in den betroffenen Regionen finden Sie hier beim  Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.
Ich bin derzeit bei Verwandten/Bekannten unter gekommen, die Versorgung ist aber nicht ausreichend. Was kann ich tun?
  • Wenden Sie sich an eine Pflegeberatungsstelle Ihrer Kommune oder einen Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe. Diese sind der direkte Ansprechpartner und geben Ihnen konkrete Hilfestellungen. Außerdem sind sie direkt vor Ort und können die Situation vor Ort am besten einschätzen. Auch Ihre Pflegekasse ist über die örtliche Situation orientiert und unterstützt Sie ebenfalls.
  • Als Pflegegeldempfänger können Sie vorübergehend einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen. Dieser kann die Kosten im Rahmen der Pflegesachleistungen ab Pflegegrad 2 mit Ihrer Pflegekasse abrechnen. Betroffene mit Pflegegrad 1 können den Betrag für Entlastungsleistungen von 125 Euro auch für die Grundpflege durch einen ambulanten Pflegedienst nutzen.
  • Ambulante Pflegedienste können Sie über den Pflegelotsen, den Pflegenavigator oder den PflegeFinder der Pflegekassen finden. Zur Organisation der Pflege steht Ihnen eine Pflegeberatung zu. Diese finden Sie ganz einfach über unsere Datenbank oder nutzen Sie die Pflegeberatung Ihrer Pflegekasse.
  • Sie können zunächst vorübergehend in ein Pflegeheim ziehen, wenn Sie bei Pflegebedürftigkeit nicht versorgt werden können. Ab dem Pflegegrad 2 können Sie bis zu 8 Wochen im Kalenderjahr Leistungen der Kurzzeitpflege in einer stationären Einrichtung erhalten. Die Leistungen umfassen die pflegebedingten Aufwendungen, die Betreuung und die medizinische Behandlungspflege. Sollte ein längerer Aufenthalt nötig sein, haben Sie ab dem Pflegegrad 2 auch die Möglichkeit zur Inanspruchnahme von Leistungen der vollstationären Langzeitpflege. Nähere Informationen zum Leistungsumfang und zur Leistungshöhe erhalten Sie von Ihrer zuständigen Pflegekasse. Passende Einrichtungen mit freien Plätzen für Kurzzeitpflege oder Langzeitpflege finden Sie über den Heimfinder NRW.                                                           Tipp: Erweitern Sie unbedingt den Such-Radius, da auch die Pflegeheime in den betroffenen Gebieten eingeschränkt nutzbar sind. Durch die Erweiterung Ihres Such-Radius steigt die Chance auf einen freien Heimplatz.
Mein Pflegedienst ist betroffen und kann mich nicht mehr versorgen – was tun?
  • Sprechen Sie mit Ihrer Pflegekasse, ob Sie kurzfristig den Pflegedienst wechseln können. Ein unkomplizierter Wechsel zurück zu Ihrem alten Pflegedienst sollte auch möglich sein.

  • Wenden Sie sich an einen Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe oder Ihre Pflegekasse. Diese sind direkte Ansprechpartner und geben Ihnen konkrete Hilfestellungen und unterstützen Sie bei der Suche nach einem geeigneten Ersatzpflegedienst.

  • Ambulante Pflegedienste können Sie über den Pflegelotsen, den Pflegenavigator oder den PflegeFinder der Pflegekassen finden.

  • Sie können durch Familie, bei Freunden oder Bekannten versorgt werden? Melden Sie dies unbedingt Ihrer Pflegekasse und stellen Sie ggf. vorübergehend Ihre Leistungen auf Pflegegeld um.

Kann ich mich an meine Kranken- oder Pflegekasse wenden, wenn ich Fragen zur Versorgung und Leistungen habe?

Versicherte bzw. deren Angehörige können sich für die Klärung von Fragen, die die Leistungen der Kranken- und Pflegekassen betreffen,  an ihre Kranken-oder Pflegekasse wenden. Dort werden dann fallbezogene flexible Lösungen für die Betroffenen abgestimmt.

Die Kranken-und Pflegekassen in Nordrhein-Westfalen unterstützen ihre Versicherten auch bei der Suche nach geeigneten Ersatzanbietern unter Berücksichtigung des jeweiligen Versorgungsbedarfs.
Verschiedene Krankenkassen bieten auch Informationen für vom Hochwasser Betroffene auf Ihren Internetseiten oder bieten Sonderhotlines zur Flutkatastrophe.

Ich muss die Pflege übernehmen und kann deshalb nicht zur Arbeit gehen – was kann ich tun?
  • Informieren Sie Ihren Arbeitgeber, dass Sie sich für eine gewisse Zeit als „kurzzeitige Arbeitsverhinderung“ nach dem Pflegezeitgesetz freistellen lassen möchten. Informieren Sie ebenfalls Ihre Pflegekasse, diese zahlt dann das Pflegeunterstützungsgeld. Über diese Lohnersatzleistung werden Ihnen rund 90 Prozent Ihres Nettolohns erstattet. Sollten Sie für eine längere Zeit die Pflege von Angehörigen übernehmen, haben Sie außerdem die Möglichkeit sich über eine Pflegezeit bzw. eine Familienpflegezeit längerfristig freistellen zu lassen. Lesen Sie hier mehr dazu.

  • Wenn andere Personen einspringen können, können Sie diese Hilfe über die Verhinderungspflege finanzieren. Lesen Sie hier mehr dazu.

Ist mein (Haus-)Arzt von der Flut betroffen?

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein hat auf ihrer Internetseite eine Liste der vom Hochwasser betroffenen Praxen bereitgestellt. Die Lage in den betroffenen Regionen ist nach wie vor unübersichtlich und viele Praxen haben noch immer kein Wasser und keinen Strom, da zum Teil die komplette Infrastruktur zerstört worden ist. Dadurch sind Praxen in den besonders schwer betroffenen Gebieten in vielen Fällen schlecht oder mitunter auch gar nicht erreichbar.

Über die Patientenservice-Telefonnummer 116117 oder die Internetseite www.116117.de/de/patientenservice finden Sie Arztpraxen - auch Notfallpraxen (Bereitschaftsdienst in der Nacht und an Wochenenden) können hierüber gesucht werden.

Notdienst-Apotheken finden Sie bundesweit unter www.aponet.de .

Wo finde ich Ansprechpartner speziell für meine Region?
  • Erste Ansprechpartner bei von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Pflegebedürftigen sind die Pflegeberatungsstellen oder Pflegestützpunkte vor Ort. Diese sind direkte Ansprechpartner und geben Ihnen konkrete Hilfestellungen. Sie sind direkt vor Ort und können die Situation am besten einschätzen. Alle Pflegeberatungsstellen in NRW finden Sie in unserer Datenbank. Ihre Pflegekasse unterstützt Sie in gleicher Weise.

  • In den Kreisen oder Kommunen werden die Hilfsangebote koordiniert. Viele betroffene Kommunen bieten auf ihren Internetseiten oder den sozialen Medien Kontaktnummern zur Vermittlung von Hilfsangeboten an und bieten lokale Informationen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe  bietet Ihnen eine Übersicht über die betroffenen Gemeinden und Städte mit jeweiligen Kontaktmöglichkeiten zu den Behörden und Initiativen vor Ort oder Sonderhotlines von Krankenkassen.
  • Psychotherapeutische Versorgung:
    Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein arbeitet auf verschiedenen Ebenen z.B. mit psychotherapeutischen Netzwerken zusammen, um sowohl eine Akutbehandlung als auch eine längerfristige Betreuung von Opfern der Flutkatastrophe sicherzustellen.
    Wenn Sie die an dieser Stelle Hilfe benötigen, können Sie sich an die Service-Hotline 116 117 wenden.

  • Hilfen für Menschen mit Behinderung:
    Auf der Seite www.behinderten-hochwasserhilfe.de von der Organisation AbilityWatch finden Sie eine Übersicht über Hilfsangebote für Menschen mit Behinderungen. Zum Beispiel finden Sie hier auf der Seite von „Inklusion muss laut sein“ eine Liste von Hilfsmitteln, die derzeit (noch) zur Verfügung stehen.
Ich habe meine Versicherungskarte verloren – was kann ich tun?

In den uns bekannten Fällen ist eine Neuausstellung unproblematisch – wenden Sie sich dazu an Ihre Krankenkasse und besprechen Sie die Vorgehensweise.

Vergessen Sie nicht, Ihrer Krankenkasse Ihre aktuelle Adresse mitzuteilen, wenn Sie unter Ihrer bisherigen Anschrift nicht erreichbar sind.

Sollten Sie einen Arzttermin benötigen und keine Versicherungskarte haben, stellen viele  Krankenkassen einen Abrechnungsschein aus, der meist direkt in die Arztpraxis oder in das Krankenhaus gefaxt werden kann.


Besprechen Sie hier die Vorgehensweise mit Ihrer Krankenkasse.

Ich bin pflegebedürftig und kann meinen Beratungsbesuch nicht wahrnehmen – was kann ich tun?

Sind Sie vom Hochwasser betroffen und der notwendige Beratungsbesuch für Pflegegeldempfänger kann aktuell nicht durchgeführt werden, dann teilen Sie dies Ihrer Pflegekasse mit. Nach Absprache mit Ihrer Pflegekasse kann die Frist für den Beratungsbesuch meist unbürokratisch verlängert werden.

Ich musste meine Reha abbrechen – wie geht es weiter?

Ist Ihre laufende Rehabilitationsmaßnahme durch die Naturkatastrophe unterbrochen, so kontaktieren Sie bitte Ihre Krankenkasse. Diese kümmert sich in den uns bekannten Fällen um eine mögliche Neuaufnahme in einer anderen geeigneten Einrichtung.

Ich habe erhöhte Fahrtkosten, da ich zu einer anderen Arztpraxis muss – werden sie übernommen?

Entstehen für erforderliche Behandlungen höhere Fahrtkosten zu einer anderen Behandlungseinrichtung (z.B. Dialyse) werden in den uns bekannten Fällen auch diese Zusatzkosten von Ihrer Krankenkasse übernommen. Informieren Sie Ihren Ansprechpartner bei der Krankenkasse über Ihre Situation und besprechen Sie das weitere Vorgehen.

Ich habe durch die Katastrophe meinen Rollator (Hörgerät, Pflegebett…) verloren – was tun bei Verlust von Hilfsmitteln?

Melden Sie diesen Verlust bei Ihrer Kranken- oder Pflegekasse. In den uns bekannten Fällen wird hier unbürokratisch ein neues Hilfsmittel organisiert.