Aktuelle Informationen zur Corona-Pandemie für pflegende Angehörige

Coronavirus schwebt um DNA
Informationen zur Pflege während der Corona-Pandemie

Aufgrund der Corona-Pandemie hat sich die Situation für pflegende Angehörige deutlich verändert.

Wenn bisherige Versorgungs- und Unterstützungsmöglichkeiten wegfallen, sind Angehörige zu Hause noch mehr gefordert, die Pflege neu zu organisieren.

Meist muss sogar innerhalb kürzester Zeit eine alternative Betreuungs- oder Versorgungsform gefunden oder die Pflege sogar selbst übernommen werden. Der Gesetzgeber hat hierzu vielfältige Erleichterungen geschaffen, die individuell in der häuslichen Pflege genutzt werden können.

Antworten auf häufige Fragen sowie weitere nützliche Hinweise rund um die spezifischen Entlastungen für Nordrhein-Westfalen und bundeseinheitlichen Regelungen haben wir für Sie zusammengefasst.

 

Pflegesituation in NRW - FAQs zu Corona

Sicherstellung der Versorgung und Betreuung

Welche corona-bedingten Änderungen gibt es zum Entlastungsbetrag?

Unterstützungsangebote im Alltag können gerade jetzt eine gute Ergänzung und Entlastung der Pflegesituation bieten. Deshalb wurden folgende Erleichterungen eingeführt:

  • Für Pflegebedürftige des Pflegegrades 1 soll ein möglichst flexibler Einsatz des Entlastungsbetrages ermöglicht werden, um coronabedingte Versorgungsengpässe zu vermeiden. Daher können Pflegebedürftige im Pflegegrad 1 den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 EUR – unabhängig von den derzeit geltenden Vorgaben nach Landesrecht – auch anderweitig verwenden. So können sie beispielweise haushaltsnahe Dienstleistungen beauftragen, die nicht über eine landesrechtliche Anerkennung verfügen.
  • Die Leistungen für Anbieter, die bereits anerkannte Leistungen erbringen, wurden erweitert. So dürfen alle Anbieter – unabhängig von Ihrem üblichen Angebot – zusätzlich auch „Hilfen bis zur Haustür“ beispielsweise Botendienste, Organisation von Arztbesuchen, Essen auf Rädern oder Einkäufe anbieten.
  • Auch Nachbarschaftshelfer können weiterhin Unterstützungsleistungen erbringen. Sie müssen aktuell keine Qualifizierung nachweisen.

Wichtig: Pflegebedürftige aller Pflegegrade können den noch nicht verwendeten Entlastungsbetrag aus dem Jahr 2019 bis zum 30. September 2020 nutzen, statt bis zum 30.06.2020.

Diese Sonderregelungen gelten zeitlich befristet zunächst bis zum 30. September 2020.

Was kann ich tun, wenn mein Pflegedienst mich nicht wie gewohnt versorgen kann?

Wenn der ambulante Pflegedienst ausfällt, bricht eine wichtige Unterstützung im Pflegealltag weg.  Dann brauchen Pflegebedürftige schnelle Hilfe. Sofern Sie mindestens den Pflegegrad 2 haben, können Sie bis zum 30.09.2020 zum Beispiel auch andere medizinisch-pflegerische Fachkräfte, Therapeutinnen und Therapeuten, anerkannte Betreuungs- und Beratungskräfte, u.a. für Ihre ambulante Pflege in Anspruch nehmen. Die Kosten für die Inanspruchnahme einer solchen anderweitigen Versorgung erstattet Ihnen die Pflegekasse für bis zu drei Monate. Hierzu müssen Sie einen Antrag auf Kostenerstattung bei der Pflegekasse stellen.

Die Mitarbeiter der Pflegekasse helfen bei der Organisation einer Alternative zur Regelversorgung weiter. Kontaktieren Sie in einem solchem Fall am besten kurzfristig Ihre Pflegekasse und lassen Sie sich bei der Organisation einer alternativen Versorgungsmöglichkeit beraten und unterstützen. Eine Übersicht der Pflegekassen finden Sie unter den Kontaktdaten der Pflegekassen in NRW

Wenn pflegende Angehörige die häusliche Versorgung neu organisieren oder selbst sicherstellen müssen, haben Sie zudem die Möglichkeit Pflegeunterstützungsgeld von der Pflegekasse des Angehörigen mit Pflegebedarf zu erhalten. Pflegeunterstützungsgeld ist eine finanzielle Unterstützung für pflegende Angehörige, wenn sie sich für die Pflege von der Arbeit freistellen lassen. Weitere Informationen finden Sie unter Entlastung speziell für Berufstätige auf dieser Seite

Werden Beratungsbesuche für Pflegegeldempfänger durchgeführt?

Die Pflicht für häusliche Beratungsbesuche für Pflegegeldempfänger wird bis einschließlich 30.09.2020 ausgesetzt. Ziel ist es, das Infektionsrisiko für Sie und Ihre Angehörigen zu verringern und die Beratungspersonen in der pflegerischen Versorgung einsetzen zu können.

Wichtig: Das Pflegegeld wird weiterhin gezahlt, ohne dass Sie einen Beratungseinsatz abrufen müssen. Es wird keine Kürzungen oder Streichungen Ihres Pflegegelds geben.

Sollte Ihre häusliche Pflege infolge der Corona Pandemie nicht mehr sichergestellt werden können, oder sollten Sie weitere Fragen rund um das Thema Beratung in der Pflege haben, wenden Sie sich bitte an Ihre Pflegekasse oder die Pflegeberatung vor Ort.

Passende Beratungs- und Hilfsangebote in der Nähe Ihres Wohnortes erhalten pflegende Angehörige und Pflegebedürftige auch in der Datenbank aller Beratungsstellen oder unter der kostenlosen Rufnummer 0800 4040044 und zwar montags, dienstags, mittwochs und freitags von 9 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 17 Uhr.

Wie ist die Tagespflege derzeit geöffnet?

Die Wiedereröffnung der Einrichtungen seit dem 08.06.2020 ist für pflegende Angehörige eine wichtige Entlastung und eine Bereicherung für die Seniorinnen und Senioren. Statt alleine zu Hause, verbringen sie ihren Tag wieder in Gesellschaft mit anderen.

Die Sicherheit wird zum Schutz der Gäste und Mitarbeitenden großgeschrieben. Die Einrichtungen achten darauf, dass der Mindestabstand von     1,5 m in den Räumen eingehalten werden kann. So werden die Mitarbeiter der Einrichtungen und die Gäste täglich auf Erkältungssymptome hin untersucht. Tagesgäste, die aus einem Krankenhaus oder einer Rehaeinrichtung entlassen wurden, dürfen zur Vermeidung von Ansteckung nur mit Vorlage eines negativen Coronatests die Einrichtung besuchen. Darüber hinaus führen die Tagespflegen ein Nutzerregister, um mögliche Kontakte nachvollziehen zu können.

Möglicherweise können in verschiedenen Tages- und Nachtpflegeeinrichtungen nicht alle Tagespflegegäste zu den gesamten gebuchten Zeiten betreut werden. Hier haben die Einrichtungen einen Spielraum, wenn zum Beispiel aufgrund der Räumlichkeiten der Abstand sonst nicht eingehalten werden kann.

Wichtig: Nehmen Sie daher Kontakt zur Tagespflegeeinrichtung auf und klären, wie Ihr Angehöriger die Tagespflege besuchen kann. Ihre Einrichtung kann Ihnen entsprechende Auskünfte geben.

Eine Ausnahme gilt für die Tagespflegegäste, deren Pflegepersonen in besonderen Berufen arbeiten. Die Tagespflegegäste, deren Pflegeperson in ihrem Beruf unabkömmlich ist, haben dann ein Anrecht auf Notbetreuung ohne zeitliche Einschränkungen, wenn eine private Betreuung insbesondere durch Familienangehörige oder die Ermöglichung flexibler Arbeitszeiten und Arbeitsgestaltung (z.B. Home-Office) nicht gewährleistet ist. Zum Nachweis ist eine Bestätigung des Arbeitgebers erforderlich.

Eine vollständige Liste zu den systemrelevanten Berufen finden Sie in der Anlage der Coronabetreuungsverordnung NRW


Gibt es Unterstützung für die erhöhten Kosten für Pflegehilfsmittel?

Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel dienen dem Schutz der Pflegeperson bei der Durchführung der häuslichen Pflege.

Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 1 steht ein monatlicher Höchstbetrag für beispielsweise Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe, Bettschutzeinlagen oder Mundschutz zur Verfügung. Der monatliche Höchstbetrag der Pflegekasse für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel wurde rückwirkend zum 1. April 2020 von 40 auf 60 Euro angehoben. Maßgeblich für die höhere Vergütung ist der Tag der Leistungserbringung; im Fall einer Kostenerstattung das Kaufdatum. Diese Regelung gilt vorerst bis zum 30. September 2020.

Welche Möglichkeiten gibt es, während der Corona-Krise einen Kurzzeitpflegeplatz zu erhalten?

Während der Corona Zeit werden bis zum 30.09.2020 Kurzzeitpflegeplätze auch im Krankenhaus oder in einer Rehabilitationseinrichtung eingerichtet. Um diese Plätze anbieten zu können, befinden sich derzeit einige Krankenhäuser in der Umstellungsphase von Krankenhausbetten zu Kurzzeitpflegplätzen. Ob und welche es in Ihrer Region sind, erfahren Sie bei der Pflegeberatung. Für einen solchen Kurzzeitpflegeplatz übernehmen die Pflegekassen einen höheren Kostenbeitrag in Höhe von 2.418 Euro. Einzelheiten erfahren Sie bei der Pflegeberatung.

Tipp: Wurde die Verhinderungspflege noch nicht ausgeschöpft, kann für die Kurzzeitpflege bis zu 4.030 Euro genutzt werden.

Grundsätzlich finden Sie freie Plätze in stationären Einrichtungen im Heimfinder NRW.

>> Hier finden Sie eine passende Pflegeberatungsstelle vor Ort 

Oder rufen Sie gebührenfrei an: 0800 4040044 (montags, dienstags, mittwochs und freitags 9–12 Uhr und donnerstags von 14-17 Uhr)

Wann sind Besuche in Betreuungsgruppen wieder möglich?

Seit dem 15. Juni 2020 haben Betreuungsgruppen, die als Angebote zur Unterstützung im Alltag im Sinne der Landesverordnung (AnFöVO) anerkannt wurden, ihr Angebot wieder aufgenommen. Die Anbieter der Betreuungsangebote orientieren sich dabei an den Hygieneempfehlungen und -richtlinien des Robert-Koch-Instituts.

Wichtig: Voraussichtlich haben nicht alle Anbieterinnen und Anbieter von Betreuungsgruppen ihr Angebot wieder geöffnet. Bitte stellen Sie sich auf erhöhte Schutzvorkehrungen ein – zum Beispiel, dass die Betreuungspersonen einen Mund-Nasen-Schutz tragen, ein ausreichender Abstand und gute Handhygiene zu beachten sind und bei allen Gästen erfasst wird, ob Krankheitssymptome vorliegen (sogenanntes Kurzscreening).

Tipp: Setzen Sie sich rechtzeitig mit dem Träger der Betreuungsgruppe in Verbindung und erfragen, wann konkret und unter welchen Voraussetzungen Sie an dem Gruppenangebot wieder teilnehmen können.

 

Ich habe einen Antrag auf Pflegegrad gestellt. Findet die Begutachtung des Medizinischen Dienstes (MDK) trotz Corona zuhause statt?

Wenn Sie einen Antrag auf einen Pflegegrad oder einen Höherstufungsantrag gestellt haben, werden Sie auch jetzt vom MDK oder, wenn Sie privat versichert sind, von Medicproof begutachtet.

Aktuell - bis voraussichtlich 30.09.2020 - kommen die Gutachter nicht mehr zu Ihnen nach Hause, sondern die Begutachtung wird mit Hilfe eines Fragebogens am Telefon vorgenommen. Damit sollen Sie und auch die Gutachter vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt werden.

Der MDK teilt Ihnen den Termin für das Telefonat schriftlich mit. Rechtzeitig vor dem Telefoninterview erhalten Sie einen Fragebogen. Der Fragebogen soll Ihnen helfen, sich auf die Interviewsituation vorzubereiten.

Ob Sie den Fragebogen beim Telefonat bereithalten sollen oder ihn an den MDK zurückschicken sollen, regelt jeder MDK unterschiedlich. Fragen Sie nach, falls Sie nicht klar dazu informiert worden sind.

Tipp: Füllen Sie den Fragenbogen, soweit es Ihnen möglich ist, sorgfältig aus und schreiben Sie sich im Vorfeld Fragen auf, die Sie am Telefon stellen wollen. Achten Sie darauf, dass ein Angehöriger bei dem Telefonat dabei ist. Oft können Pflegepersonen oder Angehörige Einschränkungen klarer und umfassender schildern als man selbst.

Legen Sie sich zur Vorbereitung zum Telefongespräch, sofern vorhanden, beispielsweise bereit:

  • eigene Notizen über den Verlauf der Pflege und Schwierigkeiten

  • aktuelle Berichte von Ärzten

  • Medikamentenplan

  • Schwerbehindertenausweis

  • Verträge mit Pflegediensten, Pflegedokumentation und sonstige Dokumente, die Aufschluss über pflegerische Maßnahmen geben.

Die Einstufung in einen Pflegegrad erfolgt dann durch einen Bescheid der Pflegekasse auf Grundlage der Telefonbefragung mit Ihnen bzw. Ihren Bezugspersonen und den Unterlagen, die bereits beim MDK oder Medicproof vorliegen.

Wichtig: Während des Telefoninterviews soll der Grad der Selbstständigkeit geklärt werden. Um zu bestimmen, wie selbstständig jemand noch handeln kann, und welche Fähigkeiten der Person noch zur Verfügung stehen, werden verschiedene Lebensbereiche, wie zum Beispiel die Fähigkeit zur Selbstversorgung betrachtet.

Wichtige Hinweise zur Vorbereitung auf den MDK-Besuch, zum Grad der Selbstständigkeit und den einzelnen Modulen, die begutachtet werden, finden Sie unter www.pflegewegweiser-nrw.de/mdk-begutachtung.

 

Entlastung speziell für Berufstätige

Kann ich mich kurzfristig für die Pflege meines Vaters von der Arbeit freistellen lassen?

Wenn eine Versorgungslücke, bei der Pflege zu Hause entsteht (weil z. B. eine Pflegekraft ausfällt oder der ambulante Pflegedienst nicht mehr vorbeikommen kann), erhalten pflegende Angehörige für die oftmals spontan dringend notwendige Neu- und Umorganisation der Pflege auch während der Berufstätigkeit Unterstützung.

Eine verlängerte Freistellungsmöglichkeit gegenüber dem Arbeitgeber (kurzzeitige Arbeitsverhinderung):

Beschäftigte haben aktuell aufgrund der pandemie-bedingten Gesetzesänderung Anspruch auf folgende berufliche Auszeit:

Befristet bis einschließlich 30. September 2020 können Sie bis zu 20 Tage, statt wie bisher 10 Tage, für die häusliche Pflege eines nahen pflegebedürftigen Angehörigen von der Arbeit fernbleiben. Voraussetzung ist, dass eine anderweitige Versorgung nicht möglich ist.

Die kurzzeitige Arbeitsverhinderung müssen Sie Ihrem Arbeitgeber vor Inanspruchnahme anzeigen.

Wichtig:  Auch wenn Sie diese kurze Pflegeauszeit bereits genutzt haben, können Sie die Freistellung noch einmal in Anspruch nehmen.

Die von Ihnen bereits genutzten Arbeitstage werden von den 20 Tagen abgezogen. Haben Sie vor der Gesetzesänderung zum Beispiel bereits 6 Tage verbraucht, können Sie jetzt noch 14 Tage in Anspruch nehmen.

Die Arbeitsverhinderung kann auch zwischen Geschwistern aufgeteilt werden – etwa indem zwei Geschwister jeweils zehn Tage frei nehmen.

 

Verlängertes Pflegeunterstützungsgeld

Für die kurzzeitige Arbeitsverhinderung können Sie von der Pflegekasse als Entgeltersatzleistung ein Pflegeunterstützungsgeld erhalten. Befristet bis zum 31.12.2020 können Sie das Pflegeunterstützungsgeld auch bis zu 20 Tage in Anspruch nehmen, anstelle von 10 Tagen.

Auch hier gilt: Wenn Sie schon einmal den Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld genutzt haben, können Sie ihn aktuell noch einmal geltend machen. Bereits verbrauchte Tage werden abgezogen.

Das Pflegeunterstützungsgeld beantragen Sie bei der Pflegekasse des pflegebedürftigen nahen Angehörigen.

Als Nachweis für die Übernahme oder die Organisation der Pflege aufgrund der SARS-Cov-2-Pandemie können Sie der Pflegekasse beispielsweise eine Bestätigung des behandelnden Arztes, der Pflegeeinrichtung, die ihr Angebot ganz oder teilweise einstellt oder einstellen muss, oder eine Bestätigung der ausgefallenen Pflegeperson einreichen.

Zusätzlich ist ein Nachweis erforderlich, dass kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung oder Lohnersatzleistungen besteht.

Wichtig: Reichen die 20 Tage nicht aus, gibt es für Sie auch noch die Möglichkeit, Pflegezeit und Familienpflegezeit flexibler zu nutzen. Im nachfolgenden FAQ zur Pflegezeit und Familienpflegezeit finden Sie weitergehende Informationen.

Was hilft, wenn ich als Berufstätige/r längerfristig die Pflege meines Vaters zuhause neu übernehmen muss?

Durch die Corona-Pandemie werden die Familien von Pflegebedürftigen schwer belastet – zum Beispiel, wenn die Tagespflegeeinrichtung geschlossen ist, und die Pflege komplett zu Hause organisiert werden muss.

Die Regelungen zur so genannten Familienpflegezeit und Pflegezeit unterstützen pflegende Angehörige, die zugleich berufstätig sind, bei der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf.

Das gilt bisher:
Bei der Pflegezeit können pflegende Angehörige, die eine Zeit aus Ihrem Beruf aussteigen möchten, ganz oder teilweise eine Freistellung von bis zu sechs Monaten in Anspruch nehmen.

Bei der Familienpflegezeit können sich Beschäftigte für die Pflege eines nahen Angehörigen bis zu 24 Monate teilweise von der Arbeit freistellen lassen. Sie können ihre Beschäftigung auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren.

Wichtige Erläuterungen zu den Voraussetzungen der Pflegezeit und der Familienzeit sowie der Finanzierung durch ein zinsloses Darlehen finden Sie auf den Seiten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend [externer Link] und den Seiten des Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben [externer Link].

 

Das gilt aktuell bis zum 30. September 2020:
Durch die aktuellen Änderungen im Rahmen der Corona – Pandemie  können Beschäftigte, die Pflegeaufgaben wahrnehmen, die Regelungen der Familienpflegezeit und Pflegezeit flexibler als bisher nutzen.

  • Wer die Familienpflegezeit nutzen will, kann für die Dauer eines Monats vorübergehend auch weniger als 15 Wochenstunden arbeiten.
  • Wer die Pflegezeit oder die Familienpflegezeit bisher noch nicht vollständig ausgeschöpft hat, kann mit Zustimmung des Arbeitgebers auch kurzfristig Restzeiten dieser Freistellungen in Anspruch nehmen. Voraussetzung ist, dass eine Gesamtdauer von 24 Monaten dadurch nicht überschritten wird und die Auszeit mit Ablauf des 30.09.2020 endet.
  • Zudem entfällt vorübergehend die Bedingung des unmittelbaren Anschlusses zwischen Pflegezeit und Familienpflegezeit.
  • Wer bis spätestens 1. September eine Pflegeauszeit nehmen möchte, kann dies mit einer verkürzten Ankündigungsfrist von 10 Tagen dem Arbeitgeber mitteilen (statt bisher acht Wochen bei der Familienpflegezeit). Wichtig: der Arbeitgeber muss schriftlich, z.B. durch Brief, Email oder Fax, informiert werden.  
  • Normalerweise können Beschäftigte für denselben pflegebedürftigen Angehörigen nur einmal eine Pflegeauszeit (Familien-und/oder Pflegezeit) in Anspruch nehmen. Durch die gesetzlichen Änderungen ist es jetzt vorübergehend möglich, wenn die Gesamtdauer von 24 Monaten noch nicht erreicht ist und die Auszeit mit Ablauf des 30.09.2020 endet, beruflich erneut für die Pflege eines nahen Angehörigen kürzer zu treten. Wichtig: Auch hier muss der Arbeitgeber zustimmen.
  • Auch das zinslose Darlehen zur Abfederung von Einkommenseinbußen bei Familien- und Pflegezeit wird den aktuellen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt angepasst: Bei der Ermittlung der Darlehenshöhe können Monate mit pandemiebedingten Einkommensausfällen auf Antrag unberücksichtigt bleiben.

Tipp: Ausführliche Beratung zur Pflegezeit und Familienpflegezeit bietet die örtliche Pflegeberatung.

Passende Beratungs- und Hilfsangebote in der Nähe Ihres Wohnortes finden pflegende Angehörige und Pflegebedürftige auch in der Datenbank aller Beratungsstellen oder unter der kostenlosen Rufnummer 0800 4040044 und zwar montags, dienstags, mittwochs und freitags von 9 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 17 Uhr.

Was Sie auch wissen sollten ...

Sind Besuche in Pflegeheimen wieder möglich?

Ja,das generelle Besuchsverbot in Pflegeheimen wurde aufgehoben. Damit haben Bewohnerinnen und Bewohner wieder die Möglichkeit, Besuche von Familienangehörigen und Freunden zu bekommen. Jede Bewohnerin bzw. jeder Bewohner kann täglich Besuch erhalten. Diese sind am Nachmittag, an Wochenenden und Feiertagen möglich.

Voraussetzung für Besuche im Pflegeheim ist, dass wichtige Hygiene- und Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Bei den Besucherinnen und Besuchern wird ein Kurzscreening (auf Erkältungssymptome, SARS-CoV-2-Infektion, Kontakt mit Infizierten oder Kontaktpersonen gemäß der Richtlinie des Robert Koch-Instituts) einschließlich Temperaturmessung durchgeführt.

Darüber hinaus müssen Sie sich auf weitere Beschränkungen einstellen, z.B. hinsichtlich Besuchsdauer sowie Anzahl der Besucher. Die Besuche sind auf je zwei Besuche pro Tag und Bewohner von maximal zwei Personen, im Außenbereich vier Personen beschränkt. Besuche auf den Bewohnerzimmern sind wieder möglich. Es kann sein, dass ein Besuch innerhalb der Einrichtung unterbleiben muss, z.B. weil eine Infektion bei Bewohnerinnen, Bewohnern oder Beschäftigten festgestellt wurde. Besuche dürfen dann nur in abgetrennten Bereichen außerhalb der betroffenen Wohnbereiche oder im Außenbereich stattfinden.

Wichtig: Nehmen Sie vor dem Besuch Kontakt mit dem Pflegeheim auf und erkundigen Sie sich, wie die Besuchsmöglichkeiten dort konkret organisiert sind. 

Gibt es Möglichkeiten, sich mit anderen Angehörigen auszutauschen?

Ja, sollten Sie das Bedürfnis haben, einmal mit anderen Betroffenen über den Pflegealltag ins Gespräch zu kommen, dann sind Sie in einer Pflegeselbsthilfegruppe genau richtig. Hier können Sie Erfahrungen austauschen, Informationen rund um das Thema Pflege erhalten und weitergeben.

Der Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen hilft vielen weiter. Vielleicht auch Ihnen? Probieren Sie es aus!

Bei der Suche nach einer geeigneten Pflegeselbsthilfegruppe unterstützen die regionalen „Kontaktbüros Pflegeselbsthilfe“ kompetent und kostenfrei. Über die Online-Suche können Sie herausfinden, ob und wo es in Ihrer Nähe ein Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe gibt.
 
Tipp: Finden Sie anhand von Postleitzahl oder der Ortsangabe kein Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe in Ihrer Nähe, erweitern Sie einfach Ihre Suche auf die nächstgrößere Stadt.

Genutzt wird auch gerne die digitale Form des Austauschs. Zum Beispiel ermöglicht die APP in.kontakt [externer Link] pflegenden Angehörigen digital geschützt untereinander in Verbindung zu treten und sich auszutauschen. In Ergänzung und Erweiterung des bereits bestehenden Selbsthilfeangebots für pflegende Angehörige bietet die APP eine onlinegestützte virtuelle Selbsthilfe. Weiter digitale Angebote erfahren Sie über die Kontaktbüros Pflegeselbsthilfe.

Gerne helfen wir Ihnen auch dabei, das nächstgelegene Kontaktbüro zu finden. Rufen Sie einfach kostenlos an: 0800 4040044 (montags, dienstags, mittwochs und freitags von 9–12 Uhr und donnerstags von 14-17 Uhr).

An wen wende ich mich, wenn ich Fragen oder Probleme bei der Besuchsregelung des Pflegeheims habe?

Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales hat eine neue Dialogstelle für Pflegebedürftige, Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen eingerichtet. Die Dialogstelle unterstützt dabei, Streitigkeiten zu schlichten, die bei der Ausgestaltung der Besuchsmöglichkeiten in den stationären Pflegeeinrichtungen und den Einrichtungen der Eingliederungshilfe aufkommen können.

Hintergrund ist, dass durch die aktuell niedrigeren Infektionszahlen das generelle Besuchsverbot in Pflegeheimen durch die Vorgaben des Landes NRW aufgehoben wurde. Bewohnerinnen und Bewohner haben wieder die Möglichkeit, Besuche von Familienangehörigen und Freunden zu bekommen. Voraussetzung für Besuche im Pflegeheim ist allerdings, dass wichtige Hygiene- und Schutzmaßnahmen eingehalten werden, die von den Einrichtungen organisiert werden.

Trotz der Lockerungen wird die Besuchsregelung nicht in jeder Einrichtung gleich umgesetzt, was zu Problemen und Fragen der Betroffen führt. Die neue Dialogstelle klärt offene Fragen klären und nimmt die Vermittlerrolle wahr.

Die neue Dialogstelle für Pflegebedürftige, Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen ist unter folgenden Kontaktdaten des Gesundheitsministeriums erreichbar

E-Mail: dialogstelle[at]lbbp.nrw.de

Telefon: 0211 8554780

Weitere Informationen unter www.lbbp.nrw.de [externer Link]

Wann finden die Qualitätsprüfungen in den Pflegeheimen wieder statt?

Seit Ende März 2020 wurden die Regelprüfungen der Qualität in ambulanten, teil- und vollstationären Pflegeeinrichtungen vom Medizinischen Dienst ausgesetzt.

Die Qualitätsprüfungen werden ab dem 01. Oktober 2020 wieder aufgenommen.

Entlastung durch ausländische Haushalts- und Betreuungskräfte

Was ist mit meinem Vertrag, wenn meine Agentur keine ausländische Haushalts- und Betreuungskraft stellen kann?

Wenn die Agentur keinen Ersatz für eine abgereiste Kraft stellen kann oder die Kraft unvorhergesehen abreist, so gilt das reguläre Vertragsrecht. Im Rahmen des Vertrages, muss die vertraglich versprochene Leistung weiterhin erbracht werden. Es muss dafür gesorgt werden, dass eine Betreuungskraft im Haushalt der pflegebedürftigen Person tätig ist.

Es kann aber passieren, dass eine Versorgungslücke entsteht: Beispielsweise dann, wenn ein Wechsel der bisher eingesetzten Betreuungskraft erfolgen soll. Einige Haushalte arbeiten bei dieser Dienstleistung in einer so genannten Tandem-Variante: zwei oder drei Betreuungskräfte wechseln sich nach 6 bis 8 Wochen gegenseitig ab. Aufgrund der derzeitigen Situation kann es dazu kommen, dass keine Wechselkraft gefunden wird, die nach Deutschland einreisen kann oder will.

Wird keine einreisewillige Betreuungskraft gefunden, ist die Dienstleistung rechtlich unmöglich geworden. Sie müssen für diese Zeit auch nichts zahlen. Wenn dieser Zustand länger anhält, kann ein Kündigungsrecht bestehen. Setzen Sie sich mit Ihrem Vertragspartner per E-Mail oder schriftlich in Verbindung. Mehrkosten einer Ersatzbetreuung können Sie dem Dienstleister nicht in Rechnung stellen, denn für die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie entstehenden Engpässe trifft die Anbieter kein Verschulden.

Ist die Einreise von ausländischen Haushalts- und Betreuungskräften nach Nordrhein-Westfalen wieder möglich?

Aktuell gilt, dass die Einreise aus Nichtrisiko-Gebieten nach Nordrhein-Westfalen wieder zulässig ist. Es gilt die Corona-Einreiseverordnung zum jeweils gültigen Stand.

Informationen zur tagesaktuellen Bestimmung der jeweiligen Risikogebiete stellt das Robert-Koch-Institut [externer Link] zur Verfügung.

Transitbestimmungen oder Regelungen anderer Bundesländer finden Sie unter den Seiten des Auswärtigen Amtes [externer Link] und der Bundesregierung [externer Link].

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Nordrhein Westfalen (NRW) finden Sie auch auf folgenden Seiten:

Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW [externer Link] und Landesregierung NRW [externer Link]

 

 

Weitere nützliche Informationen

 

Umstellung auf telefonische Pflegeberatung Die Pflegeberatung vor Ort wird zur Einhaltung des Gesundheitsschutzes für die Beteiligten weitgehend über Telefon und E-Mail-Kontakt sicher gestellt. Bei der Suche unterstützt der Pflegewegweiser NRW gebührenfrei am Telefon unter 0800 4040044 montags, dienstags, mittwochs und freitags von 9-12 Uhr sowie donnerstags von 14-17 Uhr oder online. Weitere Informationen
Hygienemaßnahmen in der häuslichen Pflege

Informationen zu den richtigen Schutzmaßnahmen und den Anzeichen für eine mögliche Infektion finden Sie auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) [externer Link]

Wichtige Schutzmaßnahmen und Informationen rund um das Coronavirus  Basisinformationen über das Virus, dessen Verbreitung und Prävention auch für besondere Zielgruppen Weitere Informationen beim Robert-Koch-Institut [externer Link]
Informationen in Leichter Sprache Zu Fragen, was ein Virus ist, wie es sich verbreitet und was man dagegen tun kann, informiert das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW in leichter Sprache Weitere Informationen [externer Link]
Informationen in mehreren Sprachen Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales informiert über verlässliche und konkrete Informationen zum Coronavirus sowie über wichtige Hinweise zu Hilfen und Serviceangeboten in mehreren Sprachen  Weitere Informationen [externer Link]