Leistungen und Finanzierung der Pflege

Pflege kostet viel Geld - bei uns erhalten Sie Tipps zur Finanzierung. Im Bild: Hände, die Euro-Münzen zählen
Pflege ist teuer – hier erhalten Sie Tipps zur Finanzierung.

Pflege kostet nicht nur Kraft, sondern auch viel Geld. Leistungen aus der Pflegeversicherung sollen Sie bei Pflegebedürftigkeit finanziell entlasten und Ihre Lebenssituation verbessern.

 

Pflegeberatung steht allen Versicherten zu!

Oft sind Betroffene überfragt, welche Pflegeform sich besser eignet: Soll zu Hause gepflegt werden, oder ist die Unterbringung in einem Pflegeheim sinnvoller? Steht diese Entscheidung an, möchten sie wissen, welche Leistungen und Hilfsmöglichkeiten angeboten werden, und welche Einrichtungen es in der Nähe gibt.

Wussten Sie schon, dass Sie Leistungen gegebenenfalls kombinieren können, damit eine gute Versorgung gewährleistet ist?

Einen Überblick über Leistungen und Angebote vor Ort geben Ihnen Pflegeberatungsstellen. Dort erhalten Sie auch hilfreiche Tipps zur Organisation der Pflege. Die Beratungsstellen finden Sie in ganz Nordrhein-Westfalen. Eine Pflegeberatung steht jeder versicherten Person zu.

Tipp: Nutzen Sie die Online-Suche, um die passende und zuständige Pflegeberatungsstelle zu finden.

Gerne helfen wir Ihnen auch telefonisch weiter. Rufen Sie kostenlos an: 0800 4040044 (montags bis freitags 9–19 Uhr und samstags 9–14 Uhr).

 

Pflegeberatung, die zu Ihrer individuellen Situation passt

Pflegeberatungsstellen beraten Sie qualifiziert zu Ihrer individuellen Situation. Sie geben Antworten auf Fragen rund um das Thema Pflege, zum Beispiel:

  • Leistungen der Pflegeversicherung, die Ihnen zustehen, und wie Sie diese beantragen
  • Möglichkeiten zur Entlastung für pflegende Angehörige
  • Leistungen für die stationäre Pflege oder die häusliche Versorgung
  • Möglichkeiten, wie Sie Ihr Wohnumfeld verbessern können
  • Informationen rund um die Vorsorgevollmacht

 

Die Leistungen im Überblick

Pflegegeld

Wer kann Pflegegeld beantragen?

Sie haben Pflegegrad 2 oder höher? Dann steht Ihnen Pflegegeld zu. Dieses können Sie beantragen, wenn Sie keine professionelle Pflege oder haushaltsnahen Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Sie statt durch einen ambulanten Pflegedienst von Angehörigen, Nahestehenden oder einer anderen nicht-professionellen Pflegekraft gepflegt werden.

Beziehen Sie Pflegegeld, erfolgen regelmäßige Beratungen durch Pflegedienste oder weitere zugelassene Stellen (§ 37 SGB XI). Diese sollen der Qualitätssicherung dienen. Wie oft die Beratungen stattfinden, hängt vom Pflegegrad ab: bei den Pflegegraden 2 und 3 einmal pro Halbjahr, bei den Pflegegraden 4 und 5 einmal pro Vierteljahr.

Wie hoch ist das Pflegegeld in den verschiedenen Pflegegraden?

Das Pflegegeld wird monatlich an die pflegeversicherte Person überwiesen. Diese kann selbst entscheiden, wie sie das Geld ausgibt. Wichtig ist nur, dass die Pflege zu Hause gesichert ist. Die Höhe des Pflegegeldes hängt vom festgestellten Pflegegrad ab:

  • Pflegegrad 2: 316 Euro
  • Pflegegrad 3: 545 Euro
  • Pflegegrad 4: 728 Euro
  • Pflegegrad 5: 901 Euro

Ist ein Aufenthalt im Krankenhaus oder einer stationären Einrichtung nötig, wird das Pflegegeld zunächst für 4 Wochen weitergezahlt. Dauert der Aufenthalt länger als 4 Wochen, zahlt die Pflegekasse erst wieder Pflegegeld, wenn die pflegebedürftige Person zu Hause ist.
Bei der Verhinderungspflege werden 50 % des Pflegegeldes für 6 Wochen von der Pflegekasse bezahlt, bei der Kurzzeitpflege für 8 Wochen.

 

Pflegesachleistungen für die häusliche Pflege

Welche Ansprüche haben Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2?

Anstelle des Pflegegeldes können Sie auch sogenannte Pflegesachleistungen in Anspruch nehmen. Dies bedeutet, dass Sie professionelle Kräfte beauftragen, Sie zu Hause zu pflegen – zum Beispiel ambulante Pflegedienste.

Wohnen kann die pflegebedürftige Person auch bei ihren Angehörigen, anderen Nahestehenden sowie in stationären Einrichtungen oder Wohngemeinschaften.

Beanspruchen können Sie Pflegesachleistungen, die Sie unterstützen bei:

  • der Mobilität
  • der Selbstversorgung
  • dem Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen
  • der Gestaltung des Alltaglebens
  • Einschränkungen in kognitiven (geistigen) und kommunikativen Fähigkeiten oder psychischen (seelischen) Belastungen

Wichtig: Pflegesachleistungen stehen Versicherten ab dem Pflegegrad 2 zu und können mit dem Pflegegeld kombiniert werden (siehe "Kombination aus Pflegegeld und Pflegesachleistung"). So können sich Versicherte von Angehörigen pflegen lassen und nur für bestimmte Hilfen eine Pflegesachleistung beanspruchen, zum Beispiel einen ambulanten Pflegedienst.

Bis zu 40 % des Geldes können für Angebote zur Unterstützung im Alltag eingesetzt werden. Dies gilt nur, wenn maximal 60 % der Pflegesachleistung ausgegeben wurden. Die sogenannte Umwandlung muss bei der Pflegekasse beantragt werden.

 

Wie hoch ist die Pflegesachleistung?

Wie beim Pflegegeld hängt auch die Höhe der ausgezahlten Pflegesachleistungen vom ermittelten Pflegegrad ab:

  • Pflegegrad 2: 689 Euro
  • Pflegegrad 3: 1.298 Euro
  • Pflegegrad 4: 1.612 Euro
  • Pflegegrad 5: 1.995 Euro  

 

Kombination aus Pflegegeld und Pflegesachleistung

Falls Sie nicht den gesamten Betrag aus der Pflegesachleistung benötigen, da Sie einen Teil der Pflege selbst sicherstellen, können Sie bei der Pflegekasse anteiliges Pflegegeld beantragen.

Tipp: Wenn Sie die Pflegesachleistungen nicht voll nutzen, und Sie die Kombination der beiden Leistungen beantragen, wird Ihnen anteiliges Pflegegeld überwiesen. Lassen Sie im Antrag offen, wie hoch der Anteil der Sachleistung und des Pflegegeldes jeweils sein soll.

Wie berechnet sich die Höhe des Pflegegeldes?

Wie hoch der Pflegegeldanspruch ist, bemisst sich nach dem Umfang der in Anspruch genommenen Pflegesachleistung:  Haben Sie 60 % beansprucht, erhalten Sie anteilig 40 % des Pflegegeldes.

Achtung: Wählen Sie eine feste Kombination, die ein gleichbleibendes Pflegegeld pro Monat garantiert, sind Sie an dieses Verhältnis 6 Monate gebunden. Verändert sich die Pflegesituation, kann das Verhältnis der Kombinationsleistungen aber jederzeit angepasst werden – beispielsweise, wenn sich der Zustand der pflegebedürftigen Person verschlechtert.

 

Kosten für das Pflegeheim

Die Kosten für stationäre Pflege, also die Unterbringung in einem Pflegeheim, sowie der zu entrichtende Eigenanteil sind von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich. Innerhalb einer Einrichtung zahlen pflegebedürftige Personen mit Pflegegrad zwischen 2 und 5 aber immer den gleichen Eigenanteil.

Liegen ein Pflegegrad und eine sogenannte "Heimnotwendigkeitsbescheinigung" vor, rechnet die Einrichtung die Pflegesachleistung direkt mit der Pflegeversicherung ab.

Wie setzen sich die Kosten für das Pflegeheim zusammen?

Einen Großteil der Kosten machen die Leistungen für die Pflege aus. Diese werden nur teilweise von der Pflegeversicherung übernommen und reichen somit in der Regel nicht aus. Der restliche Betrag muss von der pflegebedürftigen Person bezahlt werden.

Neben den Kosten für die Pflege stellen die stationären Einrichtungen auch Kosten für Unterkunft, Verpflegung sowie für sogenannte „Investitionskosten“ in Rechnung. Die Investitionskosten für einen Heimplatz sind vergleichbar mit der Kaltmiete, die beim Anmieten einer Wohnung oder eines Hauses gezahlt werden. Darunter fallen die Kosten für den eigentlichen Wohnraum und beispielsweise die Anschaffungskosten für die Immobilie, Tische, Stühle, Schränke sowie für die Instandhaltung und Instandsetzung der Immobilie. Die Investitionskosten werden durch alle Bewohner geteilt.

Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung – sogenannte „Betriebskosten“ – müssen von den Pflegebedürftigen selbst getragen werden. Sie beinhalten die Kosten für Wasser, Strom, Heizung oder auch die Wartung der Heizung. Darunter fällt die vollständige Verpflegung der pflegebedürftigen Personen. Neben den Kosten für Lebensmittel kann dazu auch das Personal gehören, das die Speisen zubereitet, anrichtet und serviert.

 

Wichtig: Reicht das eigene Einkommen nicht für die Deckung der Kosten aus, kann beim zuständigen Sozialamt die sogenannte „Hilfe zur Pflege“ beantragt werden. Zur Organisation und Finanzierung der Hilfe zur Pflege beraten Sie  die örtlichen Pflegeberatungsstellen und -stützpunkte. Über die Online suche finden Sie die passende Beratungsstelle in Ihrer Nähe.

 

Entlastungsbetrag - 125 Euro im Monat

Wofür können Sie den Entlastungsbetrag nutzen?

Egal, welcher Pflegegrad vorliegt – Hilfe im Alltag steht allen Pflegebedürftigen zu. Ab Pflegegrad 1 werden Sie durch einen sogenannten Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro im Monat finanziell unterstützt. Voraussetzung ist, dass der Anbieter der unterstützenden Leistungen nach Landesrecht zugelassen ist. Beauftragen Sie Anbieter, die nicht anerkannt sind, zahlt die Pflegekasse Ihnen den Entlastungsbetrag nicht.

Nutzen können Sie den Entlastungsbetrag zum Beispiel für haushaltsnahe Dienstleistungen, Gruppenangebote oder auch Alltags- und Pflegebegleiter.

>> Haushaltsnahe Dienstleister in der Datenbank suchen

Darüber hinaus können Sie mit dem  Entlastungsbetrag die Leistungen der Pflegekasse aufstocken, zum Beispiel für Tages- und Nachtpflege, einen vorübergehenden Aufenthalt in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung oder auch einen längeren Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung.

Personen mit Pflegegrad 1 können den Entlastungsbetrag auch für ambulante Pflegeleistungen verwenden.

Als pflegender Angehöriger können Sie die 125 Euro auch für Angebote zu Ihrer Entlastung ausgeben, beispielsweise zur Finanzierung von Pflege- und Betreuungsleistungen Ihres Angehörigen, wenn Sie mal nicht zur Stelle sein können.

Wer Verhinderungspflege in Anspruch nimmt, kann die Mittel dafür mit dem Entlastungsbetrag aufstocken.

 

Wie Sie den Entlastungsbetrag erhalten

Die Leistung muss zunächst vorfinanziert werden. Sie erhalten aber von Ihrer Pflegekasse eine Erstattung der Kosten bis zum Betrag von 125 Euro. Reichen Sie alle Rechnungen, die Sie in diesem Zusammenhang erhalten haben, zur Erstattung bei der Pflegekasse ein. Anbieter von Betreuungsleistungen können aber auch direkt mit der Pflegekasse abrechnen. Dafür müssen Sie eine Abtretungserklärung ausfüllen, die Ihnen der Leistungserbringer vorlegt.

Behalten Sie den Überblick

Werden Sie von mehreren Anbietern in Ihrer Pflege unterstützt, und rechnen diese direkt mit der Pflegekasse ab, kann man schnell den Überblick darüber verlieren, wer eine Abtretungserklärung von Ihnen erhalten hat. Machen Sie sich eine Übersicht, wer Ihnen hilft und für Sie arbeitet. Dann können Sie nachhalten, wie viel vom Entlastungsbetrag bereits ausgegeben worden ist. Sie vermeiden damit unnötige Kosten, die Sie dann möglicherweise selber tragen müssen. Sowohl die Anbieter als auch die Pflegekassen sind nicht verpflichtet, Informationen über den verwendeten und aufgebrauchten Entlastungsbetrag zu geben.

Reichen die 125 Euro pro Monat nicht aus, können Pflegebedürftige einen Teil ihrer Pflegeleistungen umwandeln lassen. Auf diese Weise lassen sich bis zu 40 Prozent des Betrags für Pflegesachleistungen für Betreuungs- und Entlastungsleistungen nutzen. Das ist sinnvoll, wenn diese nicht für die Pflege benötigt werden. Für die Umwidmung ist ein Antrag bei der Pflegekasse nötig.

Werden im Monat nicht 125 Euro ausgeschöpft, kann der Restbetrag innerhalb eines Kalenderjahres in den Folgemonaten genutzt werden. Bleibt am Ende des Jahres noch Geld übrig, können Sie dieses noch ins neue Kalenderhalbjahr übertragen. Am 30. Juni verfällt der Restbetrag dann.

 

Leistungen bei Pflegegrad 1

Bei Pflegegrad 1 gilt die Selbstständigkeit nur als gering beeinträchtigt. Doch auch hier sieht das sogenannte „Pflegestärkungsgesetz II“ bestimmte Leistungen aus der Pflegeversicherung vor. Diese sollen dazu dienen, eine schwere Pflegebedürftigkeit zu vermeiden und/oder den Erhalt der Selbstständigkeit zu fördern.
 

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 haben Anspruch auf:
 

  • halbjährliche Pflegeberatung durch einen Pflegedienst in der eigenen Umgebung
  • einen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich
  • Wohngruppenzuschlag, zum Beispiel für ambulant betreute Wohngruppen (monatlich 214 Euro)
  • Pflegehilfsmittel bis zu 40 Euro monatlich, Hilfsmittel und wohnraumverbessernde Maßnahmen bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme; wenn mehrere Pflegebedürftige zusammen wohnen bis 16.000 Euro
  • zusätzliche Betreuung und Aktivierung in stationären Einrichtungen, zum Beispiel durch Gruppengymnastik
  • Schulungsangebote in Form von Pflegekursen für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen
  • zusätzliche Leistungen bei Pflegezeit und kurzzeitiger Arbeitsverhinderung für Angehörige, zum Beispiel Pflegeunterstützungsgeld

Unter "Zeit für Pflege" finden Sie weitere Informationen zu Möglichkeiten, sich für die Pflege freistellen zu lassen.

 

Pflegehilfsmittel

Was sind Pflegehilfsmittel?

Bereits ab Pflegegrad 1 besteht Anspruch auf Pflegehilfsmittel. Diese sollen die häusliche Pflege erleichtern, Beschwerden der pflegebedürftigen Person lindern und die selbstständige Lebensführung unterstützen.

Unterschieden werden technische und zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel. Technische Pflegehilfsmittel sind zum Beispiel Pflegebetten, Toilettenstühle, Hausnotrufsysteme oder auch Lagerungskissen.
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel sind Produkte wie Desinfektionsmittel, Handschuhe, Schutzkittel oder auch der Bettschutz.

>> Übersicht über die einzelnen Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel [externer Link]

Hinweis: In der Regel haben die Pflegekassen Kooperationsverträge mit Anbietern von Pflegehilfsmitteln geschlossen. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Pflegekasse über die Vertragspartner, bei denen Sie die Pflegehilfsmittel beziehen können. Bei technischen Pflegehilfsmitteln kommt es in der Regel zu einer Zuzahlung von maximal 25 Euro pro Hilfsmittel, sofern Sie nicht von der Zuzahlung befreit sind. Kaufen Sie Ihre Pflegehilfsmittel bei einem anderen Anbieter, müssen Sie eventuelle Mehrkosten selber tragen.
 

Antrag auf Kostenübernahme von Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch

Die Kosten für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel (§ 40 Abs. 2 SGB XI), werden mit einer Pauschale von höchstens 40 Euro im Monat von der Pflegekasse übernommen. Hierfür müssen Sie bei der Pflegekasse einen Antrag stellen.

Grundsätzlich kann der Antrag formlos sein, muss aber drei Punkte beinhalten:

  • Name der versicherten Person
  • Geburtsdatum und
  • Art des Pflegehilfsmittels

Tipp: Für Pflegehilfsmittel benötigen Sie kein ärztliches Rezept. Den Antrag auf Kostenübernahme stellen Sie einfach bei der Pflegekasse. Legen Sie dem Antrag aber am besten eine ärztliche Bescheinigung oder eine Bescheinigung des MDK bei, die detailliert beschreibt, warum und welche Pflegehilfsmittel benötigt werden.

 

Tages-/Nachtpflege

Tages- und Nachtpflegen ergänzen die Versorgung zu Hause. In diesen sogenannten teilstationären Einrichtungen halten sich Pflegebedürftige zeitweise auf, zum Beispiel tagsüber oder nur nachts.

Eine Betreuung für ein paar Stunden kann sehr hilfreich sein: zum Beispiel, wenn die pflegebedürftige Person nicht alleine zu Hause zurechtkommt, die pflegende Person jedoch arbeitet, sonstige Verpflichtungen hat oder Entlastung braucht. Die Einrichtungen müssen einen Fahrdienst anbieten beziehungsweise organisieren, der die Pflegebedürftigen zu Hause abholt und wieder nach Hause bringt.
 

Wie hoch sind die Leistungen für die Tages- und Nachtpflege?

Die Leistungen für die Tages- oder Nachtpflege können zusätzlich zum Pflegegeld oder zur Pflegesachleistung in Anspruch genommen werden. Ab dem Pflegegrad 2 können gem. § 41 SGB XI für die pflegerischen Leistungen bis zu 1.995 Euro pro Kalenderjahr übernommen werden:

  • Pflegegrad 2: 689 Euro
  • Pflegegrad 3: 1.298 Euro
  • Pflegegrad 4: 1.612 Euro
  • Pflegegrad 5: 1.995 Euro

Wer Pflegegrad 1 hat, erhält keine besonderen Leistungen für die Tages- und Nachtpflege, kann aber den Entlastungsbetrag von 125 Euro hierfür nutzen.

Auch Kosten für Unterkunft und Verpflegung, die sogenannten Investitionskosten der Einrichtung sowie mögliche Fahrtkosten müssen von den Pflegebedürftigen selbst getragen werden. Allerdings ist es möglich, den Entlastungsbetrag dazu zu verwenden, die Kosten zu decken. Reichen die Leistungen der Pflegekasse dann immer noch nicht, um die Kosten der Tages- und Nachtpflege zu decken, und kann die pflegebedürftige Person die Kosten auch aus eigenem Einkommen oder Vermögen nicht selbst tragen, kann Sozialhilfe beantragt werden.
 

Wichtig: Angehörige sollten den Pflegevertrag niemals in eigenem Namen unterschreiben, sondern immer kenntlich machen, dass Sie als bevollmächtigte Vertretung oder als betreuende Person für die pflegebedürftige Person unterzeichnen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass das Sozialamt keine Kosten übernimmt und die Angehörigen selbst für die Kosten der Tages- und Nachtpflege aufkommen müssen.

 

Verhinderungspflege

Wer kümmert sich, wenn Sie selbst einmal als Pflegeperson ausfallen?

Auch wer pflegt, kann einmal ausfallen – sei es durch Urlaub, Erkrankung, Reha oder andere Gründe. In dem Fall besteht die Möglichkeit der sogenannten Verhinderungspflege.

Während dieser Zeit werden Pflegebedürftige von einer anderen Person versorgt. Dies kann eine professionelle Pflegekraft, aber auch eine Privatperson übernehmen. Eine stationäre Unterbringung in einem Pflegeheim ist ebenfalls möglich.

Verhinderungspflege bis zu sechs Wochen im Jahr

Verhinderungspflege ist ab Pflegegrad 2 und für einen Zeitraum von bis zu sechs Wochen im Kalenderjahr möglich.

Für professionelle Pflege zu Hause oder in einer stationären Einrichtung stehen im Jahr 1.612 Euro zur Verfügung. Dieser Betrag kann auf sechs Wochen beziehungsweise 42 Tage aufgeteilt werden. Übernehmen nahe Verwandte die Pflege im Verhinderungsfall, sind nur die Kosten in Höhe des Pflegegeldes abrufbar. Darüber hinaus können weitere Sachkosten, wie Fahrtkosten oder Aufwendungen für Verdienstausfall, bis zu der Höhe von 1.612 Euro geltend gemacht werden.

Außerdem sind bis zu 50 % der Mittel der Kurzzeitpflege für die Verhinderungspflege nutzbar. Das sind weitere 806 Euro. Damit erhöht sich das Budget für das Kalenderjahr auf 2.418 Euro. Der Anspruch verfällt, wenn er nicht innerhalb eines Kalenderjahrs genutzt wird.

Die Verhinderungspflege muss nicht vorher bei der Pflegekasse beantragt werden. Voraussetzung für die Verhinderungspflege ist, dass die pflegebedürftige Person seit mindestens sechs Monaten zu Hause gepflegt wurde. Wird die Pflege ausschließlich über einen ambulanten Pflegedienst sichergestellt, steht dem Pflegebedürftigen keine Verhinderungspflege zu.

Hinweis: Die Versorgung in einer stationären Einrichtung kostet in der Regel mehr als Sie an finanziellen Leistungen von der Pflegeversicherung erhalten. Es wird daher noch ein privat zu entrichtender Eigenanteil auf Sie zukommen.

Tipps:

  • Die entstandenen Kosten sind mit Belegen nachzuweisen. Sammeln Sie also alle Rechnungen, senden Sie diese an die Pflegekasse und beantragen Sie die Übernahme der Kosten.
  • Während der Verhinderungspflege bekommen Sie die Pflegesachleistung in voller Höhe weiter erstattet. Das Pflegegeld wird zur Hälfte weiter gezahlt.
  • Verhinderungspflege kann auch stundenweise in Anspruch genommen werden. Besonders bei der Betreuung von Menschen mit Demenz ist dies eine hilfreiche Alternative, wenn Angehörige beruhigt das Haus verlassen wollen. Bei der stundenweisen Verhinderungspflege wird das normale Pflegegeld in voller Höhe weitergezahlt.
  • Wird die Ersatzpflege für weniger als acht Stunden am Tag und nicht an aufeinander folgenden Tagen beansprucht, gilt nur die Begrenzung auf die 1.612 Euro pro Jahr. Die zeitliche Begrenzung entfällt. Sie können dann also an mehr als 42 Tagen Verhinderungspflege beanspruchen, wenn mehrere halbe Tage dabei sind.

>> Weitere Informationen zur Pflege auf Zeit

Kurzzeitpflege – wenn Betreuung zu Hause nicht möglich ist

Was passiert, wenn die pflegende Person kurzfristig ausfällt? Oder wenn nach einem Krankenhausaufenthalt eine Betreuung nötig ist? In dem Fall besteht der Anspruch auf Kurzzeitpflege außerhalb der eigenen vier Wände. Die Kurzzeitpflege kann auch beansprucht werden, wenn das Haus oder die Wohnung nach einer Veränderung der Pflegesituation umgebaut werden müssen.

Für Kurzzeitpflege gibt es 1.612 Euro pro Jahr

Für einen Zeitraum von bis zu 8 Wochen steht der pflegebedürftigen Person ab Pflegegrad 2 ein Budget von 1.612 Euro pro Kalenderjahr zur Verfügung. Der Anspruch verfällt, wenn dieser Betrag nicht in einem Kalenderjahr genutzt oder ausgeschöpft wird.
Ist Kurzzeitpflege erforderlich, stellen Sie einen Antrag bei Ihrer Pflegekasse. Im Gegensatz zur Verhinderungspflege ist hier keine Vorpflegezeit von mindestens sechs Monaten notwendig.

Hinweis: Kosten für Unterkunft und Verpflegung, Investitionskosten sowie eventuelle Zusatzkosten müssen in der Regel selbst bezahlt werden.

Tipp: Es ist möglich, den Leistungsanspruch bei der Kurzzeitpflege zu erhöhen, indem die Leistungen aus der Verhinderungspflege umgewandelt werden. Dann steht ein Budget von 3.224 Euro zur Verfügung.

>> Weitere Informationen zur Pflege auf Zeit

Überleitungspflege

Überleitungspflege: Wer hat Anspruch darauf?

Was tun, wenn Sie keinen Pflegegrad haben, aus dem Krankenhaus entlassen werden, aber noch nicht rehafähig sind oder sich aufgrund ihrer Erkrankung nicht selbst versorgen können? Sie haben auch keine Angehörigen, die sich umfassend um Ihre Pflege kümmern können? Dann haben Sie Anspruch gegenüber der Krankenversicherung gemäß §37 Abs. 1a und 39c SGB V auf sogenannte Überleitungspflege.

Der Anspruch besteht für bis zu vier Wochen pro Krankheitsfall. In begründeten Ausnahmefällen kann dieser von der Krankenkasse – nach Einschalten des Medizinischen Dienstes – verlängert werden. Die Überleitungspflege kann nur genutzt werden, wenn keine Pflegebedürftigkeit gemäß §14 SGB XI vorliegt. Zur Übergangspflege kann unter bestimmten Voraussetzungen auch eine Kurzzeitpflege gehören, ohne dass ein Pflegegrad vorliegt.
 

Ausweitung der Leistung für eine Haushaltshilfe

Wenn Sie eine Überleitungspflege benötigen, können Ansprüche für eine Haushaltshilfe aber auch konkret für die Kurzzeitpflege geltend gemacht werden. Der Anspruch besteht für höchstens acht Wochen im Kalenderjahr und beträgt maximal 1.612 Euro.

Sind die Voraussetzungen der Überleitungspflege erfüllt, und lebt im Haushalt ein Kind, das das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder das behindert und auf Hilfe angewiesen ist, verlängert sich der Leistungsanspruch auf längstens 26 Wochen.

 

Ambulant betreute Wohngruppen

Ganz alleine zu leben, ist für Pflegebedürftige häufig nicht möglich. Neben der Pflege zu Hause oder der Unterbringung im Heim erfreut sich eine weitere Wohnform immer größerer Beliebtheit – das Wohnen in einer Wohngemeinschaft oder -gruppe.

In sogenannten ambulant betreute Wohngruppen leben mindestens zwei und höchstens elf Personen zusammen, von denen mindestens zwei weitere pflegebedürftig sein müssen.

Um ambulante Wohngemeinschaften zu fördern, zahlt die Pflegeversicherung einen Wohngruppenzuschlag von 214 Euro im Monat. Dieser Betrag muss für die Mitfinanzierung einer Person, die allgemeine, organisatorische-verwaltende oder betreuende Tätigkeiten übernimmt, eingesetzt werden. Ist für die Gründung einer Wohngemeinschaft ein Umbau nötig, so kann dieser mit 2.500 Euro pro Person gefördert werden, maximal mit 10.000 Euro pro Wohngemeinschaft.

>> Weitere Informationen zu Wohnen im Alter

Verbesserung des Wohnumfeldes

Türen sind zu schmal für den Rollstuhl, Stufen werden zum unüberwindbaren Hindernis … Oft ist aufgrund der Pflegebedürftigkeit ein Umbau nötig. Doch dieser kostet viel Geld.

Zum Umbau oder zum Verbessern des Wohnumfeldes können Sie Zuschüsse von der Pflegekasse erhalten - bereits ab Pflegegrad 1. Voraussetzung ist, dass hierdurch die häusliche Pflege ermöglicht oder erheblich erleichtert wird, oder für den Pflegebedürftigen eine möglichst selbstständige Lebensführung wiederhergestellt werden kann.

Unter die sogenannten wohnumfeldverbessernden Maßnahmen nach §40 Abs. 4 SGB XI fallen entweder Umbaumaßnahmen oder technische Hilfen im Haushalt.

Welche Maßnahmen werden bezuschusst?

  • Maßnahmen, die einen Eingriff in die Bausubstanz erfordern, zum Beispiel der Einbau von Liftsystemen in Badezimmern, eines fest installierten Treppenlifters oder auch Türverbreiterungen
     
  • Einbau beziehungsweise Umbau von vorhandenem Mobiliar, das aufgrund der konkreten Pflegesituation individuell umgestaltet oder hergestellt werden muss: zum Beispiel Austausch einer Badewanne durch eine ebenerdige Duschtasse oder die Absenkung von Küchenhängeschränken
     
  • Auch ein Umzug kann als Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes angesehen werden, sofern die oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind – zum Beispiel bei einem Umzug von einer Wohnung im Obergeschoss ins Erdgeschoss

Pro Maßnahme können grundsätzlich bis zu 4.000 Euro pro Person geltend gemacht werden. Wenn in einem gemeinsamen Haushalt mehr als vier Pflegebedürftige leben, kann insgesamt ein Betrag von bis zu 16.000 Euro abgerufen werden.

 

Hilfe zur Pflege – wenn das Geld nicht reicht

Pflege ist sehr teuer. So kommt es vor, dass die Kosten für die Pflege höher sind als die finanziellen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Dann muss die Pflegeleistung oder das Pflegeheim aus eigenen Mitteln bezahlt werden, zum Beispiel aus den Ersparnissen. Oft reichen diese aber nicht lange aus, um die anfallenden Kosten decken zu können. Damit die Pflege trotzdem sichergestellt ist, können Pflegebedürftige beim Sozialamt die sogenannte „Hilfe zur Pflege“ beantragen.
 

Wer hat Anspruch auf Hilfe zur Pflege?

Anspruch auf Hilfe zur Pflege besteht, wenn die pflegebedürftige Person und deren Ehepartner/-in nicht in der Lage sind, die Kosten für die Pflege selbst aufzubringen, und auch mögliche unterhaltspflichtige Personen, wie Kinder, nicht zur Leistung herangezogen werden können.
Wie hoch die Hilfe zur Pflege ist, legt das Sozialamt anhand des Einkommens und Vermögens der pflegebedürftigen Person und deren Ehepartner/-in fest.

Die Hilfe zur Pflege steht auch erkrankten und behinderten Menschen zu, die voraussichtlich für weniger als sechs Monate Pflege benötigen oder einen geringeren Bedarf als Pflegegrad 1 haben.

Welche Bereiche deckt die Hilfe zur Pflege ab?

Die Hilfe zur Pflege unterstützt die Bereiche der häuslichen, stationären und teilstationären Pflege sowie der Kurzzeitpflege. Außerdem kann die Hilfe zur Pflege für Aufwendungen für Pflegehilfsmittel eingesetzt werden. Die häusliche Pflege hat hierbei Vorrang vor der stationären Pflege.

Wie und wo kann ich den Antrag auf Hilfe zur Pflege stellen?

Reichen das eigene Einkommen und Vermögen der pflegebedürftigen Person und deren Ehepartner/-in nicht aus, so können Sie beim zuständigen Sozialhilfeträger einen Antrag auf Hilfe zur Pflege stellen.

Tipps:

  • Warten Sie nicht! Sollten Sie zum leistungsberechtigten Personenkreis gehören, stellen Sie Ihren Antrag sofort. Der Sozialhilfeträger erbringt keine Leistungen für zurückliegende Zeiträume. Bestehende Schulden werden deshalb nicht übernommen. Eine Ausnahme bilden dabei Mietschulden.
  • Lassen Sie sich von einem fachkundigen Anwalt beraten, wenn Sie unsicher sind, welches Einkommen oder Vermögen vom Sozialamt für die Berechnung eines Anspruchs auf Hilfe zur Pflege herangezogen werden darf.