Ausländische Haushalts- und Betreuungskräfte in Privathaushalten

Ausländische Haushalts- und Betreuungskräfte (häufig "24-Stunden-Kräfte genannt", obwohl illegal) sind oft eine große Entlastung für pflegende Angehörige. Im Bild: Seniorin in Küche
Ausländische Haushaltshilfen sind als Entlastung für Angehörige gefragt.

Lieber im eigenen Zuhause anstatt im Pflegeheim zu wohnen – ein Wunsch vieler pflegebedürftiger Menschen. Vor allem eine Betreuungsform wird dabei immer beliebter: die Beschäftigung einer ausländischen Haushalts- und Betreuungskraft, die sich in den eigenen vier Wänden um die pflegebedürftige Person kümmert. Für Angehörige und Pflegebedürftige stellen sich dabei viele Fragen.
 

Informieren Sie sich vorab gut

Eine telefonische Beratung zum Thema „Ausländische Haushaltshilfen“ erhalten Sie montags und mittwochs von 14:00 bis 16:30 Uhr unter der Rufnummer 0211 3809-400.

Ausführliche Informationen finden Sie auch in der Broschüre „Ausländische Haushalts- und Betreuungskräfte in Privathaushalten“, die Sie weiter unten kostenfrei herunterladen können. In Papierform erhalten Sie die Broschüre in Ihrer örtlichen Beratungsstelle der Verbraucherzentrale, oder im Ratgebershop der Verbraucherzentrale [externer Link].

 

Der Haushalt als Arbeitgeber

 

Eine Haushaltskraft direkt anstellen – was ist zu beachten?

In der Europäischen Union dürfen EU-Bürgerinnen und -Bürger in jedem anderen EU-Mitgliedsstaat arbeiten. Für sie gelten dann die gleichen Voraussetzungen wie für Angehörige des Staates, in dem sie die Beschäftigung aufnehmen. Hier schließen die pflegebedürftige Person oder Angehörige einen Arbeitsvertrag direkt mit der ausländischen Haushaltskraft ab. Eine besondere Arbeitserlaubnis hierfür ist nicht nötig. Die zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit hilft Ihnen bei der Suche.

Vorteil dieser Variante: Als Arbeitgeber sind Sie gegenüber der angestellten Betreuungskraft weisungsbefugt, Arbeitsabläufe klären sie direkt mit ihr.

Nachteil dieser Variante: Bei Ausfall der Haushalts- und Betreuungskraft müssen Sie sich selbst um Ersatz kümmern.

 

Wie viel verdient eine ausländische Betreuungskraft?

Für ausländische Betreuungskräfte und Haushaltshilfen gilt der gleiche Mindestlohn, der auch für deutsche Arbeitnehmer festgelegt ist. Dieser liegt zurzeit bei 8,84 Euro brutto pro Stunde (Stand: März 2018). Wenn die Betreuungskraft überwiegend pflegerische Tätigkeiten übernimmt, beträgt der tarifliche Mindestlohn seit dem 01.01.2018 in Westdeutschland (inkl. Berlin) 10,55 Euro brutto, in Ostdeutschland 10,05 Euro brutto. Monatlich liegt der Bruttolohn der ausländischen Betreuungskraft bei einer 38,5-Stunden-Woche bei 1.663 Euro und 1.933 Euro.

Berücksichtigen sollten Sie, dass Sie als Arbeitgeber darüber hinaus Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung und Berufsgenossenschaft zahlen müssen. Außerdem können weitere Kosten anfallen, zum Beispiel für Essen, Fahrtkosten oder Telefon. Insgesamt müssen Sie mit monatlichen Kosten von mindestens 2.200 Euro rechnen.
 

Betreuungskraft: höchstens 8 Stunden täglich

Wichtig: Auch wenn Sie vielleicht schon von einer 24-Stunden-Betreuung gehört oder gelesen haben – eine 24-Stunden-Betreuung durch eine einzige Haushaltshilfe ist verboten. Die Betreuungskraft darf täglich höchstens 8 Stunden arbeiten. Nur im Einzelfall darf die Arbeitszeit auf bis zu zehn Stunden verlängert werden. Eine Betreuung rund um die Uhr ist nur möglich, wenn Sie mehrere Personen im Schichtdienst beschäftigen.
Die Haushaltshilfe hat außerdem einen gesetzlichen Urlaubsanspruch von mindestens 24 Werktagen im Jahr. Während dieser Zeit, auch bei Krankheit und außerhalb der Arbeitszeit, müssen Sie die Versorgung der pflegebedürftigen Person anderweitig organisieren, zum Beispiel durch Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, Pflege durch Angehörige oder einen ambulanten Pflegedienst.

 

Ein ausländisches Unternehmen beauftragen

Eine entsandte Haushaltskraft beschäftigen – was ist zu beachten?

Wenn Sie nicht selbst Arbeitgeber sein möchten, können Sie auch ein ausländisches Dienstleistungsunternehmen beauftragen, das Betreuungs- und Haushaltsdienste anbietet. Innerhalb der Europäischen Union ist dieses Verfahren als sogenannte Entsendung möglich. In diesem Fall entsendet das ausländische Unternehmen eine bei ihm angestellte Betreuungskraft in den betroffenen Haushalt.

Vorteil dieser Variante: In Urlaubs- und Krankheitszeiten der Betreuungskraft müssen nicht Sie selbst, sondern das ausländische Unternehmen für eine Vertretung sorgen.

Nachteile dieser Variante: Nur das entsendende Unternehmen darf der Betreuungsperson Weisungen geben. Sie selber haben keinen direkten Einfluss auf die Ausführung der Arbeit. Sie haben außerdem kaum eine Möglichkeit zu kontrollieren, ob die A1-Bescheinigung nicht gefälscht ist und die Entsendung somit illegal ist.

 

Wie Sie einen ausländischen Dienstleister finden

Bei der Suche nach einem ausländischen Unternehmen kann Ihnen eine deutsche Vermittlungsagentur helfen. Diese übernimmt dann die Kommunikation und Organisation für Sie.

Vertragspartner ist das beauftragte Unternehmen

Den vereinbarten Betrag für die Betreuungskraft zahlen Sie an das ausländische Unternehmen, nicht an die Betreuungskraft. Das Gehalt der Betreuungskraft zahlt das ausländische Unternehmen. Da nicht die Betreuungskraft, sondern das ausländische Unternehmen Ihr Vertragspartner ist, müssen Sie mit diesem vertraglich genau festlegen, welche Leistungen die Betreuungskraft erbringen soll. Anweisungen zu Arbeitszeiten, und der Arbeit als solche erhält die Betreuungskraft von dem ausländischen Unternehmen. Auch bei diesem Modell geltend die deutschen Arbeitsschutzregelungen, insbesondere die Arbeitszeitregelung.

Wichtig: Vergewissern Sie sich, dass die Haushalts- und Betreuungskraft im Ausland sozialversichert ist. Hierzu dient die sogenannte „A1-Bescheinigung“, die von der ausländischen Krankenversicherung oder dem Rentenversicherungsträger ausgestellt sein muss. Lassen Sie sich diese bei Arbeitsbeginn im Original zeigen und bewahren Sie eine Kopie davon in ihren Unterlagen auf. Sollte die A1-Bescheinigung bei Arbeitsbeginn der Haushalts- und Betreuungskraft noch nicht vorgelegt werden können, vereinbaren Sie, dass Ihnen die Bescheinigung nach Ausstellung schnellstmöglich vorgelegt wird.

Wie viel kostet eine entsandte Betreuungskraft?

Die Kosten für eine entsandte Betreuungskraft aus dem Ausland hängen unter anderem davon ab, wie groß der Unterstützungsbedarf ist und wie gut die deutschen Sprachkenntnisse der Hilfskraft sind. Auch für entsandte Betreuungskräfte und Haushaltshilfen gilt der deutsche Mindestlohn. Darüber hinaus muss das entsendende Unternehmen im Land seines Sitzes Beiträge und Abgaben für die bei ihm angestellten Hilfskräfte zahlen. Insgesamt müssen Sie mit Kosten zwischen 2.300 und 3.000 Euro rechnen, meist zuzüglich einer Vermittlungsgebühr für die Agentur.

 

Selbstständige Haushalts- und Betreuungskräfte

Vorsicht vor Scheinselbständigkeit

Grundsätzlich ist es möglich, eine selbstständige ausländische Betreuungskraft zu beschäftigen. In diesem Fall schließen Sie keinen Arbeitsvertrag, sondern einen Dienstleistungsvertrag ab. Hier besteht allerdings schnell die Gefahr, dass es sich um eine Scheinselbstständigkeit handelt. Diese kann mit hohen Bußgeldern – auch für den Auftraggeber – bestraft werden.
 

Die wichtigsten Voraussetzungen und Bedingungen für eine legale Beschäftigung einer ausländischen Haushalts- und Betreuungskraft hat die Verbraucherzentrale NRW in einer Tabelle zusammengestellt:

Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt

Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt - informieren Sie sich vorher gut
Schwarzarbeit kann zu hohen Strafzahlungen führen.

Schwarzarbeit kann teuer werden!

Auf den ersten Blick erscheint es günstiger und einfacher, eine ausländische Haushaltskraft einfach „schwarz“ einzustellen.

Aber: Schwarzarbeit ist eine Ordnungswidrigkeit, die hohe Nachzahlungen für Steuern und Sozialabgaben sowie Bußgelder nach sich ziehen kann.