Wenn Pflege belastet und alles zu viel wird

Sie fühlen sich mit der Pflege überlastet? Es gibt Menschen, die Ihnen zuhören und Ihnen helfen können. Im Bild: telefonierende Seniorin
Wenn die Pflege Sie überlastet, lassen Sie sich helfen!

 

Wer eine angehörige Person pflegt, muss meistens ständig verfügbar und ansprechbar sein. Pflegende Angehörige fühlen sich daher oft überfordert, belastet und gestresst.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Sie können körperliche aber auch seelische Belastung erfahren
  • es gibt psychische und körperliche Anzeichen für eine Überlastung
  • wir zeigen Ihnen, wo sie Hilfe und Unterstützung finden
  • es gibt Übungen, um Extremsituationen zu überstehen

 

 

 

    Inhaltsverzeichnis

    1. Seelische und körperliche Belastung erkennen
    2. Übungen und Tipps
    3. Hilfsangebote finden

     

    Wer eine angehörige Person pflegt, muss meistens ständig verfügbar und ansprechbar sein. Pflegende Angehörige fühlen sich daher oft überfordert, belastet und gestresst. Mit diesen Gefühlen sind sie nicht alleine – auch andere pflegende Angehörige stoßen irgendwann an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Wichtig ist es zu erkennen, dass Unterstützung nötig ist.
    Wer dauerhaft angespannt und belastet ist, ist irgendwann erschöpft und verzweifelt, wird vielleicht selbst krank. In Einzelfällen kann die Überlastung später auch zu Aggressionen führen. Daher ist es enorm wichtig, sich regelmäßige Auszeiten zu schaffen. Manchmal reicht schon eine kurze Entspannungspause aus, um Kraft und Energie zu tanken.

     

    Seelische und körperliche Belastung erkennen

    Körperliche Belastung erkennen wir meist sehr schnell. Ganz anders ist die Situation bei seelischer Belastung. Hier werden die Anzeichen meist nicht erkannt, obwohl die seelische Belastung nicht weniger harmlos ist als die körperliche Belastung. Besonders pflegende Angehörige leiden unter einer hohen seelischen Belastung im Pflege-Alltag. Folgende Anzeichen deuten auf eine Be- und Überlastung hin:

    Psychische Anzeichen

    • Aggressionen
    • Ängste
    • Müdigkeit
    • Ungeduld und Gereiztheit
    • Nervosität und innere Unruhe

    Körperliche Anzeichen

    • Schlafstörungen
    • Hautprobleme
    • Kopfschmerzen
    • Magen-Darm-Beschwerden
    • Rückenschmerzen

     

    Übungen und Tipps

    Nicht immer lassen sich kritische Situationen vermeiden. Wir haben Ihnen einige Übungen und Tipps zusammengestellt, die Ihnen in schwierigen Situationen als „Erste-Hilfe“ dienen können.
    So können Sie sich in akuten Situationen schnell und kurzfristig beruhigen:

     

    Übung 1

    Atmen Sie ganz bewusst ein und aus, nutzen Sie die 4-7-8 Technik. So geht’s:

    • Legen Sie Ihre Zungenspitze hinter die oberen Schneidezähne – hier soll sie die gesamte Übungsdauer bleiben. Atmen Sie mit einem Seufzer durch den Mund komplett aus.
    • Schließen Sie Ihren Mund und atmen Sie leise durch die Nase ein – zählen Sie dabei bis vier. Halten Sie Ihren Atem an und zählen Sie bis sieben.
    • Atmen Sie jetzt wieder komplett durch den Mund aus, seufzen Sie dabei und zählen Sie bis acht.

     

    Übung 2

    Nutzen Sie starke Reize für die Sinne, dies nimmt unsere Aufmerksamkeit in Anspruch und hilft dabei uns zu beruhigen:

    • Kaltes Wasser, zum Beispiel als Cool-Pack auf den Augen oder dem ganzen Gesicht, auch ein Gesichtsbad im kalten Wasser hilft
    • Geschmackssinn stimulieren, zum Beispiel mit einer Zitrone oder einer Chili-Schote
    • Geruchssinn stimulieren, zum Beispiel mit Hilfe eines Duft-öls oder eines intensiven Gewürzes

     

    Übung 3

    Bringen Sie sich auf andere Gedanken, um Ihre Gedanken zu beruhigen

    • Benennen Sie jeweils fünf
      • Dinge, die Sie gerade in Ihrem Blickfeld sehen
      • Geräusche, die Sie gerade hören
      • Empfindungen Ihres Körpers, die Sie gerade spüren (z.B. den Ring am Finger, das Kitzeln in der Nase)
    • Schauen Sie sich ein Bild an und beschreiben Sie sich selbst alle Einzelheiten des Bildes
    • Sagen Sie Wörter rückwärts auf

    Diese Übungen dienen als kurzfristige Ablenkung um in akuten Situationen die Beherrschung wieder zu erlangen. Grundsätzlich sollten Sie aber nicht auf Ablenkung setzen, sondern eine Lösung für die Gründe der Überbelastung finden.
    Informieren Sie sich über die Pflegeberatung und finden Sie eine passende Beratungsstelle in Ihrer Nähe. Lesen Sie nach, welche Leistungen der Pflegeversicherung Sie als pflegende Angehörige entlasten können.

     

    Hilfsangebote

    Mittelfristig kann es sehr hilfreich sein mit jemandem zu sprechen. Nutzen Sie den Austausch mit anderen Pflegenden Angehörigen. Kontaktbüros der Pflegeselbsthilfe finden Sie in unserer Datenbank, diese können Ihnen dann die passende Selbsthilfegruppe vermitteln. Oder Sie gehen in unserem Forum in den Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen. Mehr zum Thema Pflegeselbsthilfe finden Sie hier.
    Lesen Sie hier außerdem alles zu den Kuren für pflegende Angehörige.

    Oder nutzen Sie eines der folgenden Hilfsangebote:

    Krisentelefon

    Die aktuelle Telefonnummer des bundesweiten Krisentelefons finden Sie unter www.gewalt-pflege.de [externer Link].

    TelefonSeelsorge

    In besonders schwierigen Situationen können Sie sich an die TelefonSeelsorge wenden. Deren Ansprechpersonen helfen Ihnen auch anonym weiter.

    Eine kostenlose telefonische Beratung erhalten Sie schnell und direkt unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116123.

    Die TelefonSeelsorge bietet auch eine Beratung per E-Mail oder Online-Chat an [externer Link].
    In Einzelfällen ermöglichen verschiedene TelefonSeelsorge-Stellen auch eine Vor-Ort-Beratung.

    International telephone helplines

    Muslimisches Seelsorgetelefon

    +49 30 44 35 09 821
    http://www.mutes.de/home.html
    Türkisch • Arabisch • Urdu

     

    Telefon Doweria

    +49 30 44 03 08 454
    http://telefonseelsorge-berlin-brandenburg.de/6_Doweria/index.html
    Russisch

    psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige

    Online-Beratung: https://www.pflegen-und-leben.de/start.html

    Alle sorgenden Menschen, die sich im häuslichen Umfeld um einen Pflegebedürftigen kümmern und die gesetzlich versichert sind, erhalten von unseren Psychologinnen ganz persönliche Unterstützung sowie individuelle Hilfe und Entlastung. Wir beraten und begleiten pflegende Angehörige absolut anonym, kostenfrei und datensicher.

    Sozialpsychiatrische Dienste

    Wenn Sie sich psychisch belastet fühlen oder einen psychisch erkrankten Angehörigen haben, können Sie sich an den örtlichen sozialpsychiatrischen Dienst Ihrer Stadt wenden. Die Beratung findet bei Bedarf auch in der eigenen Wohnung statt.

    Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums

    Sie wissen nicht weiter? Wir beantworten Fragen rund um das Thema Pflege und unterstützen Sie auch in schwierigen Situationen. 

    Das Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums erreichen Sie bundesweit von Montag bis Donnerstag zwischen 9.00 und 18.00 Uhr und per E-Mail: info(at)wege-zur-pflege.de.

    Telefonische Beratung und schnelle Hilfe für Angehörige: 030 20179131

    Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz

    Telefon: 030 25 93 79 514

    Erreichbar: Mo–Do 9–18 Uhr, Fr 9–15 Uhr, in türkischer Sprache: Mi 10–12 Uhr

    Hinweis: Die Beratung richtet sich speziell an pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz.

    E-Mail: info@deutsche-alzheimer.de

    Internet: http://www.deutsche-alzheimer.de/

    Not- und Krisentelefone in den Regionen

    Für kritische Lebenssituationen oder bei Gewalt stehen Ihnen in den jeweilig genannten Regionen Krisentelefone zur Verfügung, wobei die Liste nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

    • „Not-Telefon“ im Pflegealltag für den Kreis Paderborn: 05251 308900, erreichbar montags bis freitags von 08:30 bis 12:00 Uhr und donnerstags von 14:00 bis 18:00 Uhr, hilfenetz@kreis-paderborn.de
    • „Krisentelefon Gewalt in der Pflege“ für Essen: 0201 8850088, erreichbar montags bis freitags von 08:30 bis 12:30 Uhr (außerhalb dieser Zeiten: Anrufbeantworter)
    • Krisentelefon für Siegen: 0271 234 60 66, erreichbar Mo und Do 10–14 Uhr, info@senioren-siegen.de
    • Sozialpsychiatrischer Dienst im Gesundheitsamt Bielefeld, Telefon: 0521 512581, erreichbar von 08:00 bis 18:00 Uhr
    • Krisentelefon für Wuppertal: 0202 2442838, erreichbar montags bis freitags nachts von 18:00 bis 08:00 Uhr, an Feiertagen und Wochenenden rund um die Uhr
    • Krisentelefon für Solingen: 0212 248210, erreichbar an allen Wochentagen rund um die Uhr
    • Anlaufstelle für Menschen mit Pflegebedarf in Krisensituationen im Kreis Minden-Lübbecke, Telefon 0571 80 72 27 60, erreichbar Mo–Fr 8–16 Uhr, Internetseite

    • Handeln statt Misshandeln (HsM) – Altern ohne Gewalt in Bonn: Notruftelefon: 0228 69 68 68, E-Mail: info@hsm-bonn.de

    Pflegeberatungsstellen und -stützpunkte

    Antworten auf Fragen rund um die Themen Pflege, Pflegeselbsthilfegruppen, Widersprüche gegen Pflegegutachten, aber auch zu Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige geben die ausgewiesenen Pflegeberatungsstellen in NRW.  

    Über die Online-Suche des Pflegewegweisers NRW finden Sie Angebote in Ihrer Nähe.

    Gerne helfen wir Ihnen auch telefonisch weiter. Rufen Sie kostenlos an unter: 0800 4040044 (montags, dienstags, mittwochs und freitags 9-12 Uhr und donnerstags von 14-17 Uhr). Darüber hinaus beantworten wir Ihre Fragen auch schriftlich. Hierzu nutzen Sie einfach das Fenster auf unseren Seiten "Schreiben Sie uns im Chat". Wir antworten Ihnen gerne und informieren über das passende Beratungs- und Hilfsangebot in Ihrer Nähe.