Kurse für pflegende Angehörige - Richtig pflegen und gesund bleiben

Lernen Sie verschiedene Methoden kennen, die Ihnen bei der Pflege helfen.  Im Bild: Mann mit Ball
Lernen Sie verschiedene Methoden kennen, die Ihnen bei der Pflege helfen.

Pflegende Angehörige und ehrenamtlich Helfende in der häuslichen Versorgung von Pflegebedürftigen haben selten Erfahrung in der Pflege. Um die Qualität der Pflege Zuhause, aber auch Entlastung für die Pflegepersonen zu schaffen, haben diese Anspruch auf Pflegekurse.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pflegende Angehörige und ehrenamtlich Helfende haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen Pflegekurs.
  • Allgemeine und spezielle Pflegekurse vermitteln praktische Tipps und Informationen zu grundlegenden und krankheitsspezifischen pflegerischen Maßnahmen.
  • Pflegekurse dienen der Entlastung der Pflegenden und der Verbesserung der Qualität der Pflege.
  • Als pflegende:r: Angehörige:r ist es wichtig, sich Freiräume zu schaffen und auf sich zu achten. Pflegeselbsthilfegruppen und andere Angebote können dabei unterstützen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist ein Pflegekurs
  2. Was lernen Sie in einem Pflegekurs?
  3. Wer bietet Pflegekurse an und was kosten Sie?
  4. Pflege-Praktiken für eine gesunde Pflege
  5. Pflegeselbsthilfe

 

Was ist ein Pflegekurs?

Ein Pflegekurs ist ein Angebot der Pflegekassen für Sie als pflegende Angehörige und/oder ehrenamtlich Helfende:r, die an der Pflegetätigkeit interessiert sind. Pflegekurse sind dazu da, das Engagement als auch die Pflege- und Betreuungssituation zu fördern und zu erleichtern. Außerdem um mit der Pflege verbundene körperliche und seelische Belastungen zu erleichtern und diesen vorzubeugen.
Anspruch haben nach § 45 des elften Sozialgesetzbuch pflegende Angehörige und ehrenamtliche Helfende, die die Pflege teilweise oder ganz übernehmen.

 

+Tipp: Ehrenamtlich Helfende, die ihre Leistung als ein Angebot zur Unterstützung im Alltag anerkennen lassen möchten, sodass der Entlastungsbetrag als Leistung der Pflegekasse genutzt werden kann, müssen einen Pflegekurs absolvieren. Wenden Sie sich in diesem Fall für weitere Informationen an die Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz [externer Link] oder lesen Sie hier mehr dazu.

 

Was lernen Sie in einem Pflegekurs?

Allgemeine und spezielle Pflegekurse sind für Sie als nicht-professionelle Pflegeperson(en) gedacht, um Ihnen Grundlagen zur häuslichen Pflege zu vermitteln. Außerdem sollen Sie hierüber seelisch wie körperliche Entlastung erfahren. In einem allgemeinen Pflegekurs erfahren Sie mehr zu den Themen, wie beispielsweise

  • Haut-, Körper- und Mundpflege
  • Essen und Trinken
  • Rückenschonendes Heben und Tragen
  • Umgang mit Ausscheidungen
  • Alltagsgestaltung
  • Lagerungsmöglichkeiten und –techniken
  • Praktische Tipps zur Mobilisation
  • Leistungen der Pflegeversicherung

 

In speziellen Pflegekursen erfahren Sie mehr über Pflegemaßnahmen bei verschiedenen Krankheitsbildern, zum Beispiel bei

  • Demenz
  • Parkinson
  • Multiple Sklerose
  • Neurologische Ausfälle, beispielsweise nach Schlaganfällen

 

Wer bietet Pflegekurse an und was kosten sie?

Pflegekurse werden von den Pflegekassen angeboten, die mit Wohlfahrtsverbänden oder auch ambulanten Pflegediensten zusammenarbeiten. Durchgeführt werden diese Kurse von erfahrenen Pflegefachkräften und –berater:innen mit entsprechender Qualifikation. Die allgemeinen Pflegekurse finden in der Regel in Gruppen statt oder werden als Online-Kurse angeboten. Die Kosten übernimmt die Pflegekasse.

Sie haben außerdem die Möglichkeit eine individuelle häusliche Schulung zu erhalten. Hier geht es darum, Sie zu bestimmten Problembereichen gezielt zu beraten und anzuleiten, damit Sie die Pflege zuhause besser bewältigen können, aber auch die Qualität der Pflege zu verbessern. Hierunter fallen auch spezielle Pflegekurse, die sich gezielt mit einem Krankheitsbild beschäftigen. Zum Beispiel, was Sie im Fall von Parkinson oder Demenz beachten müssen und wie Sie damit praktisch umgehen können. Diese Kurse finden in der Regel in der eigenen Häuslichkeit statt und die Kosten werden auch hier von der Pflegekasse getragen.

 

+Tipp: Erkundigen Sie sich bei Ihrer zuständigen Pflegekasse, das heißt der Pflegekasse der pflegebedürftigen Person, welche Angebote es in Ihrer Nähe gibt und von der Pflegekasse finanziert werden! Hier finden Sie die Kontaktdaten der Pflegekassen.

 

! Hinweis: Beachten Sie, dass es auch andere kostenpflichtige Angebote gibt, die Sie unter Umständen selbst zahlen müssen.

 

 

Pflege-Praktiken für eine gesunde Pflege

Basale Stimulation – mit allen Sinnen (an-)sprechen

Die Basale Stimulation nach Prof. Dr. Andreas Fröhlich ist ein ganzheitliches Konzept, das schwer beeinträchtigte Menschen in ihrer Wahrnehmungs-, Kommunikations- und Bewegungsfähigkeit fördert. Das Ganze geschieht über Berührung, Gerüche, Geräusche/Gesang, worüber Menschen mit verschiedensten Einschränkungen über ihre Sinne (Fühlen, Riechen, Schmecken, Hören) angesprochen und darin gefördert werden, ihre Umwelt, darunter auch ihre Mitmenschen und sich selbst wahrzunehmen. Gleichzeitig dient es dazu, Vertrauen aufzubauen und Ängste und Verspannungen zu lösen. Das Konzept wird neben der Pflege auch bei anderen Therapien eingesetzt und richtet sich vor allem an Menschen/Kinder mit Behinderungen, Frühgeborene, desorientierte und demente Menschen, (Wach-)Komapatienten, Menschen mit Lähmungen z.B. nach einem Schlaganfall (Hemiplegiepatienten) und Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit.

Kinästhetik – schonend bewegt

Die Kinästhetik ist ein Handlungskonzept, das  die Mobilisation von (pflegebedürftigen) Menschen erleichtert und fördert. Gleichzeitig wird hierüber die Gesundheit von Pflegenden erhalten, da die Bewegungsabläufe schonend durchgeführt werden.
Durch Berühren und Bewegen hat der Pflegebedürftige die Möglichkeit die Bewegung in seinem eigenen Körper nachzuvollziehen, die eigenen Ressourcen durch gezieltes Anleiten einzusetzen und sich nicht unnötig anzustrengen. Das Prinzip beruht darauf, dass „Massen“ (Becken, Oberkörper,  Ober-/Unterarme, Ober-/Unterschenkel) durch den Pflegenden gefasst werden und die „Zwischenräume“ (Gelenke: Achsel/Schulter, Knie etc.) frei gelassen werden. Dadurch wird die Bewegung nicht blockiert und durch gezielte Handgriffe und Anleiten des Pflegebedürftigen die eigenständige Bewegung gefördert, ohne dass diese durch Heben/Tragen vom Pflegenden gänzlich übernommen werden muss.

 

Bobath Konzept – „neu Lernen“ bei neurologischen Störungen

Das Bobath-Konzept nach Berta und Dr. Karl Bobath richtet sich vor allem an Menschen mit Lähmungen, wie beispielsweise nach einem Schlaganfall, Multiple Sklerose oder Parkinson. Das Konzept beruht auf der Annahme, dass gesunde Hirnregionen Aufgaben der durch Krankheit geschädigten Hirnregionen neu lernen und so übernehmen können. Deshalb ist ein regelmäßiges Training und Einbeziehen der gelähmten/ geschädigten Körperregionen das A und O. 

Integrative Validation – wertschätzende Kommunikation mit dementen Menschen

Die Integrative Validation nach Nicole Richard ist eine Methode, wertschätzend mit dementen Menschen umzugehen und eine „Brücke“ zur Welt des dementen Menschen zu schlagen: ein dementer Mensch „tickt“ anders und lebt häufig „in seiner eigenen Welt“. Häufig führt gerade der Unterschied zwischen der Welt der dementen Person und der einer gesunden Person zu Schwierigkeiten in der Kommunikation und vor allem auch zu Auseinandersetzungen und Problemen im pflegerischen Alltag. Bei der Integrativen Validation geht es darum, die Welt einer dementen Person wahrzunehmen, sie zu verstehen und ihn dort „abzuholen“, wo er oder sie gerade steht: mit allen dazugehörigen Gefühlen wie Angst, Wut, Trauer oder Freude. Einerseits fördert die Integrative Validation die Akzeptanz der Situation der außenstehenden Person und zum anderen stärkt es den Selbstwert der dementen Person als auch dessen Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Somit ergibt sich eine entspannte(re) und wertschätzende Beziehung und entlastet so, gerade im pflegerischen Alltag, die Gesamtsituation.

+Tipp: Erkundigen Sie sich bei Ihrer zuständigen Pflegekasse oder bei einer Pflegeberatungsstelle, welche Angebote es in Ihrer Nähe gibt und von der Pflegekasse finanziert werden!

 

 

Pflegeselbsthilfe für pflegende Angehörige: „Zeit für sich und Austausch“

Neben den praktischen Tipps und Tricks, die Sie in der Durchführung der Pflegetätigkeit  unterstützen und entlasten (Stichwort Pflegekurse), ist es ebenso wichtig, dass Sie auf sich als Mensch achten. Die Pflege eines Angehörigen ist auch eine hohe mentale und psychische Belastung. Ihre seelische Gesundheit ist neben Ihrer körperlichen Unversehrtheit mindestens genauso wichtig. Deshalb: Schaffen Sie sich Freiräume!

Austausch in einer Pflegeselbsthilfegruppe

In Pflegeselbsthilfegruppen können Sie als pflegende Angehörige Erfahrung, hilfreiche Tipps und Tricks austauschen und weitere Informationen rund um das Thema Pflege erhalten und ebenso weitergeben. Die Treffen in einer solchen Gruppe und der Austausch von Erfahrungsberichten helfen häufig, sich nicht „alleine“ zu fühlen- Sie sind nämlich nicht alleine. Selbstverständlich ist die Teilnahme an einer solchen Gruppe freiwillig. Sie entscheiden selbst für sich, wie viel Sie von sich preisgeben möchten, aber auch, ob und wie oft Sie teilnehmen möchten.
Für die Suche nach einer passenden Pflegeselbsthilfegruppe wenden Sie sich für NRW an ein Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe (KoPS) in Ihrer Nähe.

 

Angebote der Unfallkasse NRW

Die Unfallkasse NRW, wie alle anderen Unfallkassen gleichermaßen, sind an der Prävention, das heißt der Verhütung von Krankheit, und dem Erhalt der Gesundheit jedes Einzelnen interessiert. Ihre Aufgabe besteht in beratender und informierender Tätigkeit. Gezielt für pflegende Angehörige finden Sie auf den Seiten der Unfallkasse NRW [externer Link] verschiedene, hilfreiche Informationen und Tipps gezielt für Sie als pflegende Angehörige, wie Sie gut auf sich achten können.