Pflegen und arbeiten

Bei Pflege eines Angehörigen zahlt die Pflegekasse häufig die Sozialversicherungsbeiträge. Im Bild: Pärchen am Frühstückstisch
Sie pflegen? Unter bestimmten Voraussetzungen zahlt die Pflegekasse Ihre Versicherungsbeiträge.

Sozialversicherung:
Pflegekasse zahlt Beiträge für pflegende Angehörige

Wenn Sie eine angehörige Person pflegen, bleibt Ihnen manchmal keine andere Wahl, als Ihre Berufstätigkeit für eine gewisse Zeit ganz oder teilweise aufzugeben. Hierdurch entstehen oft finanzielle Nachteile.

Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt die Pflegekasse Ihre Beiträge zur Sozialversicherung, zahlt also Ihre Renten-, Unfall-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung.

 

 

Rentenversicherung

Rentenbeiträge werden übernommen

Unter folgenden Voraussetzungen zahlt die Pflegekasse der zu pflegenden Person Ihre Rentenbeiträge:

  • Die pflegebedürftige Person hat einen Pflegegrad 2 bis 5.
  • Sie pflegen als Privatperson.
  • Sie pflegen mindestens 10 Stunden, an mindestens zwei Tagen in der Woche.
  • Sie sind nicht mehr als 30 Stunden in der Woche berufstätig.
  • Die Pflege findet im häuslichen Umfeld statt.

Pflegen Sie mehrere Personen, werden die wöchentlichen Pflegezeiten für alle Personen zusammengerechnet. Auch hier müssen dann mindestens 10 Stunden je Woche erreicht werden, um Zahlungen in die Rentenkasse beanspruchen zu können.

Je höher der Pflegegrad ist, desto mehr wird in die Rentenversicherung eingezahlt. Die Höhe der Beiträge ist auch davon abhängig, ob Sie alleine pflegen oder ein Pflegedienst unterstützend tätig ist. Je mehr Pflegeleistungen der Pflegedienst übernimmt, umso weniger Beiträge werden eingezahlt.
Beziehen Sie schon Rente, können Sie über die Pflegetätigkeit Ihre bestehende Rente zusätzlich noch erhöhen.  

Wie erhalten Sie Zahlungen zur Rentenversicherung?

Stellen Sie bei der Pflegekasse einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung. Ob Sie die Voraussetzungen für die Rentenversicherung erfüllen, wird durch ein Gutachten geprüft. Entscheidend ist hier die Einschätzung, wie viel Zeit für die Pflege tatsächlich nötig ist. Hierbei werden Sie als Pflegeperson eingebunden.

 

Unfallversicherung

Gemeldete Pflegepersonen sind unfallversichert

Wenn Sie bei der Pflegekasse als Pflegeperson gemeldet sind, sind Sie bei Unfällen automatisch versichert. Sie müssen diesen Versicherungsschutz nicht extra beantragen und brauchen keine eigenen Beiträge einzuzahlen.

Vorausgesetzt wird, dass Sie die Pflege in der häuslichen Umgebung durchführen. Dies ist dort, wo sich die pflegebedürftige Person aufhält. Weitere Voraussetzungen sind: Es muss mindestens der Pflegegrad 2 vorliegen, und Sie dürfen für die Pflege nicht entlohnt werden, jedoch das Pflegegeld der Pflegekasse erhalten.

Versichert sind Sie als Pflegeperson nur zu den Zeiten, in denen Sie pflegen oder auf dem direkten Weg zur pflegebedürftigen Person und wieder nach Hause sind.

Der Unfallversicherungsschutz umfasst Unfälle bei der

  • Körperpflege
  • Behandlungspflege
  • hauswirtschaftlichen Versorgung, wenn sie ausschließlich für den Pflegebedürftigen stattfindet
  • Zubereitung der Mahlzeiten
  • Unterstützung bei der Mobilität des Pflegebedürftigen wie Aufstehen, Setzen, An- und Ausziehen

Nicht versichert sind Sie, wenn Sie die pflegebedürftige Person bei ihren Freizeitaktivitäten begleiten, zum Beispiel Theater, Kino oder Spaziergängen.

Was tun, wenn Sie einen Unfall während der Pflege hatten?

Sollten Sie in Ihrer Pflegezeit verunglücken, lassen Sie sich ärztlich behandeln und weisen Sie darauf hin, dass der Unfall während der Pflege passiert ist. Danach müssen Sie, Ihre Ärztin oder Ihr Arzt den Unfall der Unfallversicherung melden.

Die Unfallversicherung übernimmt die Kosten für alle notwendigen ambulanten und stationären Behandlungen. Ist der Unfall so schwerwiegend, dass eine Umschulung notwendig wird, muss die Unfallversicherung auch hierfür die Kosten übernehmen.

 

>> Weitere Hinweise zu Versicherungsleistungen der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen
 

 

Krankenversicherung

Als angehörige Pflegeperson sind Sie grundsätzlich über eine der folgenden Möglichkeiten krankenversichert:
 

  • Familienversicherung: Sie sind als Pflegeperson in der Familienversicherung der Eltern oder Ihrer Lebenspartnerin oder Ihres Lebenspartners beziehungsweise Ehepartnerin oder Ehepartners versichert. Eine Familienversicherung ist dann nicht möglich, wenn ein Gesamteinkommen von monatlich mehr als 435 Euro (Stand: 2018) oder mehr als 450 Euro bei einer geringfügigen Tätigkeit überschritten wird.
     
  • Sozialversicherungspflichtige Tätigkeit: Sie sind neben der Pflege Ihres Angehörigen in Teil- oder Vollzeit berufstätig und darüber krankenversichert.
     
  • Freiwillige Krankenversicherung: Wenn Sie weder familienversichert noch berufstätig sind, müssen Sie sich freiwillig versichern. Eine freiwillige Versicherung kann auch bei einer gesetzlichen Krankenkasse abgeschlossen werden.

 

Arbeitslosenversicherung

Soziale Absicherung wird unter bestimmten Voraussetzungen von der Pflegekasse bezahlt. Im Bild: Tisch, Brille
Die Pflegekasse zahlt Beiträge zur Arbeitlosenversicherung.

Abgesichert gegen Arbeitslosigkeit

Unter folgenden Voraussetzungen zahlt die Pflegekasse Beiträge zur Arbeitslosenversicherung an die Bundesagentur für Arbeit:

  • Ihre Pflegetätigkeit findet regelmäßig zehn Stunden in der Woche an mindestens zwei Tagen statt.
  • Die pflegebedürftige Person hat mindestens Pflegegrad 2.
  • Sie hatten vor Übernahme der Pflege eine Anstellung, bei der in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt wurde.
  • Sie üben aktuell keine Erwerbstätigkeit aus.

Nach Ende der Pflegezeit steht Ihnen Arbeitslosengeld 1 in vollem Umfang zu. Darüber hinaus haben Sie Zugang zu allen Leistungen der Arbeitsförderung. Daher ist es wichtig, dass die Pflegekasse die Beitragszahlungen in die Arbeitslosenversicherung übernimmt.