Erste Schritte bei Pflegebedürftigkeit

Pflegefall - was ist zu tun? Im Bild: Frau mit Rollator
Pflegebedürftig – was ist zu tun?

Nachlassende Kräfte, Unfall, Krankheit – sind Pflegebedürftige plötzlich auf dauerhafte Hilfe angewiesen, muss ihre Versorgung sichergestellt werden. Auch ihr Alltagsleben ist neu zu organisieren.

Betroffene und  Angehörige stehen vor vielen Fragen, zum Beispiel:

  • Welche Ansprüche auf Hilfe habe ich?
  • Wo bekomme ich Unterstützung?
  • Wie beantrage ich die Unterstützungsleistungen?

Wer Leistungen von der Pflegekasse erhalten möchte, muss als pflegebedürftig anerkannt werden. Hierzu wird ein sogenannter Pflegegrad festgestellt. Außerdem muss die pflegebedürftige Person mindestens 2 Jahre innerhalb der vergangenen 10 Jahre in die Pflegeversicherung eingezahlt haben.

 

Wann gilt eine Person als pflegebedürftig?

Als pflegebedürftig bezeichnet man Menschen, die gesundheitlich bedingt in ihrer Selbstständigkeit oder ihren Fähigkeiten beeinträchtigt und deshalb auf Hilfe angewiesen sind. Die Beeinträchtigungen können körperlich, psychisch oder geistig sein.

Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer – für voraussichtlich mindestens 6 Monate – und mit mindestens der im Sozialgesetzbuch festgelegten Schwere bestehen.

Ob jemand pflegebedürftig ist und welcher Pflegegrad vorliegt, wird bei gesetzlich Versicherten vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) festgestellt. Bei privat Versicherten übernimmt dies die Medicproof GmbH.

Welche Pflegegrade gibt es?

Seit dem 01.01.2017 wird Pflegebedürftigkeit in 5 Pflegegrade unterteilt. Davor sprach man von 3 Pflegestufen.

  • Pflegegrad 1 – Selbstständigkeit ist gering beeinträchtigt
  • Pflegegrad 2 – Selbstständigkeit ist erheblich beeinträchtigt
  • Pflegegrad 3 – Selbstständigkeit ist schwer beeinträchtigt
  • Pflegegrad 4 – Selbstständigkeit ist schwerstens beeinträchtigt
  • Pflegegrad 5 – Selbstständigkeit ist schwerstens beeinträchtigt, mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Nach dem anerkannten Pflegegrad richtet sich die Höhe der Leistungen der Pflegekasse.

So stellen Sie einen Antrag bei der Pflegekasse

Antrag bei Ihrer Pflegekasse stellen und Pflegeberatung beanspruchen. Im Bild: Hand mit Schreibgerät.
Fragen Sie beim Antrag auf Pflegeleistung auch nach der kostenlosen Pflegeberatung.

Beantragen der Pflegeleistung

Leistungen aus der Pflegeversicherung  können Sie grundsätzlich formlos – telefonisch oder schriftlich – bei Ihrer Pflege- bzw. Krankenkasse beantragen. Diese wird Ihnen dann die nötigen Antragsformulare zusenden.

Die Formulare senden Sie ausgefüllt an Ihre Pflegekasse zurück. Wenn eine Vorsorgevollmacht oder eine Betreuungsverfügung  vorliegt, kann der Antrag auch durch Angehörige gestellt werden.

Tipp: Stellen Sie den formlosen Antrag schriftlich und versenden ihn am besten per Einschreiben mit Rückschein. Machen Sie vorher eine Kopie davon, um einen Nachweis gegenüber der Pflegekasse zu haben.

 

Kostenlose Pflegeberatung nutzen

Bitten Sie Ihre Pflegekasse um Informationen zu einer Pflegeberatung. Seit dem 01.01.2009 haben alle Versicherten Anspruch auf Pflegeberatung – auf Wunsch auch in der eigenen Wohnung. Die Pflegekasse nennt Ihnen geeignete Pflege- und Hilfsangebote und informiert Sie, welche Leistungen der Pflegekasse Ihnen zustehen.

In Nordrhein-Westfalen gibt es mehr als 400 Pflegeberatungsstellen, die Sie vor Ort kostenlos beraten. Hier erfahren Sie alles rund um die Organisation der individuellen Pflege, die Entlastung von Angehörigen sowie notwendige Adressen und Hilfen vor Ort.

>> Weitere Informationen und Tipps zur Pflegeberatung

 

MDK-Begutachtung

Nachdem Sie den Antrag bei der Pflegeversicherung gestellt haben, beauftragt diese – bei gesetzlich Versicherten – den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK), um Ihren Hilfebedarf festzustellen. Für privat Versicherte ist die Medicproof GmbH zuständig. Sie werden schriftlich über den Termin informiert. Die Begutachtung findet im Wohnumfeld der pflegebedürftigen Person statt.

>> Weitere Informationen und Tipps zur MDK-Begutachtung

 

Bewilligung des Pflegegrads durch die Pflegekasse

Die Pflegekasse muss innerhalb von 5 Wochen (25 Arbeitstage) nach Einreichen des Antrags schriftlich mitteilen, ob sie einen Pflegegrad anerkennt oder nicht. Sollte die Pflegekasse dieser Pflicht nicht nachkommen, haben Versicherte Anspruch auf eine Entschädigung in Höhe von 70 Euro für jede angefangene Woche der Verzögerung.

 

Info: Sie haben einen Bescheid erhalten und sind damit nicht einverstanden? Dann können Sie innerhalb eines Monats nach dessen Eingang Widerspruch einlegen.