Kurzzeit-, Verhinderungs- oder Tagespflege - zur Entlastung gibt es viele Möglichkeiten. Im Bild: Porträt ältere Frau

Kurzzeitpflege - wenn die Pflege zuhause vorübergehend nicht möglich ist


Wie lässt sich die Pflege für Angehörige sicherstellen, wenn  pflegende Angehörige/r erkrankt sind oder wenn sie selbst Erholung brauchen?  Was ist wenn, wenn eine pflegebedürftige Person nach einem Krankenhausaufenthalt vorübergehend nicht zu Hause versorgt werden kann. Was kann man tun,  wenn Pflege zu Hause erst neu organisiert werden oder die Wohnung barrierefrei umgebaut werden muss?

In solchen Fällen hilft Ihnen die Kurzzeitpflege.
Hier kann Ihr Angehöriger oder ihre Angehörige vorübergehend in eine stationäre Einrichtung z.B. ein Pflegeheim, ziehen, bis die Pflege zu Hause wieder möglich ist.


Das Wichtigste in Kürze:

  • Kurzzeitpflege hilft, wenn die Pflege zu Hause vorübergehend nicht möglich ist.

  • Die Kurzzeitpflege wird in stationären Pflegeeinrichtungen angeboten.

  • Ab Pflegegrad 2 haben Pflegebedürftige einen Anspruch auf Kurzzeitpflege.

  • Kurzzeitpflege muss bei der Pflegekasse beantragt werden.

  • Die Pflegekasse übernimmt bei der Kurzzeitpflege Kosten für Grundpflege, Behandlungspflege und die  soziale Betreuung in der Einrichtung bis zu einem Betrag von 1.612 Euro für maximal acht Wochen im Kalenderjahr.  

  • Sie können durch nicht verbrauchte Leistungen der Verhinderungspflege den Betrag für die Kurzzeitpflege auf bis zu 3224 Euro aufstocken.

  • Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten  müssen Sie selbst übernehmen und können sich diese anteilig sich von der Pflegekasse über den Entlastungsbetrag erstatten lassen.

  • Das Pflegegeld wird für acht Wochen bis zu 50 Prozent weiter gezahlt und kann auch zur Finanzierung des Eigenanteils genutzt werden.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wer kann die Kurzzeitpflege nutzen?
  2. Wie finden Sie einen Kurzzeitpflegeplatz?
  3. Muss man einen Antrag bei der Pflegekasse stellen?
  4. Wie hoch ist die Leistung für die Kurzzeitpflege?
  5. Welche Kosten übernimmt die Pflegekasse?
  6. Modellprojekt Kurzzeitpflege im Krankenhaus

 

 

 

Wer kann die Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen?

Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 bis 5 können die Kurzzeitpflege in einer stationären Einrichtung in Anspruch nehmen, wenn Pflege zu Hause noch nicht oder vorübergehend nicht möglich ist, z.B. wenn Pflege erst organisiert werden oder die Wohnung pflegegerecht umgebaut werden muss oder z.B. bei Urlaub oder Erkrankung der Pflegeperson.


Beispiel: Frau Meier befindet sich aufgrund einer Erkrankung im Krankenhaus. Aufgrund ihrer Erkrankung steht fest, dass sie dauerhaft pflegebedürftig sein wird. Noch im Krankenhaus wird sie vom Medizinischen Dienst in den Pflegegrad 2 eingestuft. Damit sie wieder nach Hause zurückkehren kann, müssen verschiedene Umbauten in ihrer Wohnung z.B. barrierefreie Dusche, durchgeführt werden. Außerdem müssen ihre Kinder erst noch einen ambulanten Pflegedienst organisieren. Frau Meier kann, bis alles organisiert ist, für drei Wochen in ein nahe gelegenes Seniorenheim ziehen.

 

Was ist wenn ich noch keinen Pflegegrad habe oder in Pflegegrad 1 eingestuft bin?

Ein Bedarf auf eine vorübergehende Pflege und Betreuung in einer stationären Einrichtung kann auch erforderlich sein, wenn man noch nicht in einen Pflegegrad oder in Pflegegrad 1 eingestuft ist.

In bestimmten Fällen übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine vorübergehende Unterbringung in einer stationären Einrichtung als sogenannte Überleitungspflege bis zu 1612 € im Jahr für maximal acht Wochen.

Das ist dann der Fall, wenn Sie z.B. aufgrund einer schweren Erkrankung oder nach einem stationären Krankenhausaufenthalt zu Hause nicht ausreichend gepflegt werden können.

 

 

Wie findet man einen Kurzzeitpflegeplatz in NRW?

Freie Kurzzeitpflegeplätze finden Sie in NRW über den Heimfinder NRW.
Im Heimfinder NRW melden stationäre Pflegeeinrichtungen  freie Kurzzeit-und Langzeitpflegeplätze. Das Land NRW  hat die Einrichtungen gesetzlich verpflichtet, ihre freien Plätze tagesaktuell in die  Landesdatenbank einzugeben. Es ist dabei eine Suche im aktuellen Umkreis, auf der Karte sowie nach Stadt möglich.
Der Heimfinder NRW  ist online abrufbar und auch als App kostenlos im Google Play Store sowie im Apple Store erhältlich.

Kurzzeitpflegeplätze können Sie zudem auch finden über

 

Haben Sie Fragen zur Kurzzeitpflege oder benötigen Unterstützung bei der Suche nach einem Kurzzeitpflegeplatz, berät Sie die Pflegeberatung in Ihrer Kommune oder Ihrer Pflegekasse. Stehen Sie vor einer Krankenhausentlassung und die Pflege ist nicht sichergestellt, ist der Sozialdienst des Krankenhauses der richtige Ansprechpartner.

 

 

Muss ich einen Antrag bei der Pflegekasse stellen?

Bevor Sie die Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen können, müssen Sie einen Antrag bei Ihrer Pflegekasse stellen.  Antragsformulare erhalten Sie bei Ihrer Pflegekasse oder online auf deren Webseiten. Sie können aber auch selbst einen Antrag formulieren.

Musteranträge für die Kurzzeitpflege finden Sie bei der Verbraucherzentrale NRW für Pflegebedürftige und Bevollmächtigte.

 

 

Wie hoch sind die Leistungen für die Kurzzeitpflege?

Die Pflegekasse übernimmt die Kosten für die Kurzzeitpflege für bis zu maximal acht Wochen im Jahr; sie zahlt dann bis zu 1.612 Euro. Mit jedem Jahreswechsel entsteht der Anspruch neu.
Den Betrag  für die können Sie zusätzlich um bis zu 1.612,00 Euro aus noch nicht genutzten Mitteln der Verhinderungspflege auf insgesamt 3.224,00 Euro aufstocken.

 

Kurzzeitpflege bis zu 1.612€
Verhinderungspflege bis zu 1.612€
Kombination bis zu 3.224€

 

Erhalten Sie Pflegegeld von der Pflegekasse wird für die Dauer der Kurzzeitpflege das Pflegegeld für bis zu acht Wochen je Kalenderjahr zur Hälfte fortgezahlt.
Erhalten Sie zum Beispiel im Pflegegrad 2 Pflegegeld in Höhe von 316 Euro, wird für die Dauer der Kurzzeitpflege ein Betrag von 158 Euro weiter gezahlt.

 

Zum 1. Januar 2022 wird der Betrag der Kurzzeitpflege um 10 Prozent erhöht Die Pflegekasse übernimmt dann die Kosten der allgemeinen Pflegeleistungen bis zu einem Betrag von 1774 Euro im Jahr. Ist die Verhinderungspflege noch nicht in Anspruch genommen worden, kann der Betrag für die Kurzzeitpflege auf bis zu 3386 Euro erhöht werden.

 

 

Welche Kosten übernimmt die Pflegekasse bei der Kurzzeitpflege?

Die Pflegekassen übernehmen nicht die gesamten Kosten der Kurzzeitpflege. Sie zahlen für die Grundpflege, die Behandlungspflege und die soziale Betreuung, d.h. z.B. für Gruppenangebote wie Gymnastik, Basteln, Singen.
Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung und auch die sogenannten Investitionskosten, das ist die Umlage für den Betrieb und den Erhalt der Gebäude,  trägt die pflegebedürftige Person tragen. Da diese Kosten in den Einrichtungen unterschiedlich sind, lohnt sich ein Preisvergleich, wenn Sie mehrere Einrichtungen zu Auswahl haben.
Zur Finanzierung des Eigenanteils kann das hälftige Pflegegeld und der Entlastungsbetrag (Link) verwendet werden.
Reichen die eigenen Mittel nicht aus, kann man auch Hilfe zur Pflege beim Sozialamt beantragen.

 

Berechnungsbeispiel für Kosten der Kurzzeitpflege:

  Tage Pflegegrad 2 Pflegegrad 5
Pflegesatz 18 83,00€ 95,50€
Unterkunft 18 20,00€ 20,00€
Verpflegung 18 15,50€ 15,50€
Investitionskosten 18 12,00€ 12,00€
Gesamt (pro Tag)   130,50€ 143,00€
Gesamt (18 Tage)   2.349€ 2.574€
Leistung Pflegekasse   1.612€ 1.612€
Eigenanteil   737,00€ 962,00€

 

 

Kurzzeitpflege im Krankenhaus

Krankenhäuser in NRW können im Rahmen eines Modellprojektes Kurzzeitpflege anbieten und gegenüber den Pflegekassen abrechnen. Die Kurzzeitpflege kann nun direkt vor Ort an den Krankenhausaufenthalt angeschlossen werden, wenn das Krankenhaus dies  anbietet.