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Die lgbtqia+ Fahne weht im Wind
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Queere Pflege - gibt es das?

  • Queere Menschen haben in der Pflege oft besondere Bedürfnisse – queer-sensible Angebote sind jedoch noch schwer zu finden.
  • Queer-sensible Pflege bedeutet Respekt vor Identität, Diskretion und den Einbezug von Wahlfamilien.
  • In NRW gibt es Anlaufstellen wie rubicon e.V., das Queere Netzwerk NRW oder die Plattform Queer-Pflege.de.
  • Regeln Sie rechtliche Vorsorge frühzeitig, damit Ihre Wahlfamilie im Pflegefall Entscheidungen treffen darf.

Queer ist ein Sammelbegriff für Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten. Pflegebedürftigkeit betrifft sie wie alle anderen. Doch es gibt oft zusätzliche Herausforderungen, um respektvolle und bedarfsgerechte Unterstützung zu gewährleisten.

Was bedeutet queer-sensible Pflege?

Queer-sensible Pflege bedeutet:

  • Respekt haben vor Identität und Lebensweise.
  • Vertrauensvoller und diskreter Umgang mit den individuellen Lebensgeschichten.
  • Einbezug von Partner:innen und gewählten Familien - auch ohne Trauschein oder Verwandtschaft.
  • Pflegeeinrichtungen mit queersensiblem Ansatz oder geschulte Pflegekräfte schaffen Sicherheit.

Diskriminierungserfahrungen können dazu führen, dass queere Menschen notwendige Pflege oder medizinische Angebote meiden – mit teils gravierenden gesundheitlichen und sozialen Folgen. Zudem bringen manche besondere körperliche und psychosoziale Bedürfnisse mit, die sensibles Fachwissen in Pflege und Begleitung erfordern. Aber immer noch sind queersensible Angebote in der Pflege und Betreuung schwer zu finden.

Ausführliche Informationen für Einrichtungen und Fachkräfte finden sich in der Broschüre "Queere Perspektiven Pflege & Alter"  [externer Link].

Welche Anlaufstellen in NRW gibt es?

  • Pflegeberatungsstellen bieten erste Beratung und können an passende Angebote vermitteln.
  • Regionale Aidshilfen und Queere Zentren in NRW bieten fachliche Beratung. So richtet sich z.B. die Aidshilfe Essen mit dem Projekt Queer60Plus“ [externer Link] an Menschen ab 60 Jahren und fördert ihre Mitwirkung am gesellschaftlichen Leben.
  • rubicon e. V. [externer Link] ist eine zentrale Anlaufstelle für queere Menschen in Köln und ganz NRW. Sie bietet u.a. psychosoziale Beratung, Gruppenangebote und Vernetzungsarbeit an. Ein Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung älterer queerer Menschen, etwa durch die ALTERnativen, einem Netzwerk für Lesben, Schwule und trans Personen über 50 Jahre.
    Ebenfalls bietet rubicon eine spezialisierte psychosoziale Beratung für Menschen, die Gewalt erfahren haben oder von Gewalt bedroht sind.
    Für queere Menschen mit Migrationshintergrund gibt es das Projekt baraka – a place for international queers, das einen sicheren Raum für Austausch, Unterstützung und kulturelle Veranstaltungen bietet.
    Die Beratung richtet sich an Einzelpersonen, Paare, Familien und Fachkräfte. Sie kann persönlich, telefonisch oder online erfolgen (Tel. 0221-27 66 999-0 ) - auch in verschiedenen Sprachen.
  • Die Fachstelle Altern unterm Regenbogen [externer Link] setzt sich für queere Menschen ab 55 Jahre in Düsseldorf ein.
  • Queer-Pflege.de [externer Link] ist eine Plattform, die Menschen dabei unterstützt, passende Pflegeangebote zu finden, die ihre Lebensweise respektieren und ihre Bedürfnisse berücksichtigen. Sie bietet eine Übersicht über spezialisierte Pflegeeinrichtungen, Beratungsdienste und Alltagshilfen.
  • Das Queere Netzwerk NRW [externer Link] unterstützt Ratsuchende und Organisationen in NRW, vernetzt Einrichtungen, berät zu queeren Themen und setzt sich für Akzeptanz, Sichtbarkeit und passende Angebote ein.

Welche Anlaufstellen gibt es für ganz Deutschland?

  • der Dachverband Lesben und Alter e. V. [externer Link] widmet sich allen Themen, die älteren lesbischen Frauen ein selbstbestimmtes und wirtschaftlich gesichertes Leben ermöglichen, darunter Alterssicherung, Wohnformen, Prävention, Gesundheitsversorgung, Pflege, Rentenpolitik und die Bekämpfung von Altersarmut.
  • die BISS Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren e.V. [externer Link] setzt sich dafür ein, dass schwule Männer im Alter offen und selbstbestimmt leben können – mit guter Gesundheitsversorgung, passender Pflege und voller gesellschaftlicher Teilhabe.

Was ist noch wichtig?

Zum Thema rechtliche Vorsorge: Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten sichern, dass gewählte Partner:innen (Wahlfamilie) Entscheidungen treffen dürfen.

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